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Lausitzer Rundschau: Jahresendhoffnung Putins Rede an die Nation

Cottbus (ots) - Für deutsche Augen ist es ein irritierendes Schauspiel, wenn Russlands Präsident Wladimir Putin alle Jahre wieder seine Rede zur Lage der Nation hält. Da sitzen 1000 Würdenträger, vom Kirchenfürsten bis zum Notenbanker, und lauschen den Worten des Kremlherrschers. In Deutschland hat man sich so etwas nach 1945 glücklicherweise abgewöhnt. Aber Deutschland ist auch nicht Putins Maßstab. Der Russe kennt nur eine ebenbürtige Macht: die USA. Und so ist es auch kein Wunder, dass sich Putins Rede an der Institution der "State of the Union Address" orientiert. In Washington wird der Präsident auf dem Capitol traditionell mit Applaus begrüßt - auch das wirkt in deutschen Augen einigermaßen albern. Alles andere als lächerlich ist dagegen der Konflikt, den Russen und Amerikaner seit Putins Amtsantritt mit stetig zunehmender Intensität austragen. Da die Verantwortung für Beziehungskrisen bekanntlich immer bei beiden Partnern liegt, sei die Schuldfrage an dieser Stelle ausgeklammert - auch wenn der russische Außenminister Sergej Lawrow soeben noch einmal klargestellt hat, dass für die mutwillige Zerrüttung allein US-Präsident Barack Obama die Schuld trage. Das ist natürlich absurd, vor allem aber führt es nicht weiter. Wer sich für die Zukunft interessiert, der sollte sich, vielleicht in einer ruhigen Stunde unter dem Christbaum, lieber die Frage vorlegen: Wird Putin mit US-Präsident Donald Trump zum Segen der Welt wirklich jene Männerfreundschaft schließen können, die im US-Wahlkampf am Horizont aufschien. Wer kein Orakel hat, der wird ehrlicherweise sagen müssen: Warten wir's ab! Allerdings gibt es durchaus Anlass zu Hoffnung. Es sind ja nicht nur die Bekundungen zur Kooperation, wie sie Putin in seiner Rede anstimmte. In der Außenpolitik geht es am Ende um Interessen. Trump und Putin dürften wissen, dass sie ihren wirtschaftlich angeschlagenen Ländern durch eine Verschärfung der Konflikte einen Bärendienst erweisen - und dass der Jubel über militärische Erfolge noch schneller abebbt als der Applaus bei einer Rede an die Nation.

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