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Lausitzer Rundschau: Wachstum vs. Wahrhaftigkeit Trainerrauswurf zeigt Unterschied zwischen RB Leipzig und dem BVB

Cottbus (ots) - Die Folklore stimmt beiderseits: Bei RB Leipzig ziehen wie bei Borussia Dortmund die Fußballfans mit Schal, Trikot, Schwenkfahne und Gesang ins Stadion und versuchen, ihre Mannschaft zum Sieg zu brüllen. Dennoch ist da ein gewaltiger Unterschied: Borussia Dortmund ist für viele tausend Menschen eine Herzensangelegenheit. RB Leipzig hingegen ist ein Projekt. Das wird an der Trennung von Trainer Alexander Zorniger erneut deutlich. Mit ihm hat RB jenen Coach an die Luft gesetzt, der die Leipziger endlich aus der vermaledeiten 4. Liga nach oben gebracht und dann gleich den Durchmarsch in die 2. Liga geschafft hatte. Der also sportlich ungefähr das vollbrachte, was Trainer Jürgen Klopp in Dortmund hingekriegt hat - wenngleich natürlich auf anderem Niveau. Zorniger hat dem Team eine respektable Handschrift verpasst und Talente so entwickelt, dass selbst Bayern München anfängt, bei RB zu wildern. Klopp kennt das nur zu gut. Zorniger musste jetzt gehen, obwohl er mit seinem Team als Aufsteiger nur sechs Punkte Rückstand auf die Aufstiegsränge hatte. Der Trainer hatte aber vage angedeutet, dass es für die Entwicklung der Mannschaft gar nicht so abträglich wäre, wenn sie noch ein Jahr in der 2. Liga spielen würde. Sofort schrillten beim Energie-Brause Hersteller Red Bull die Alarmglocken. Zorniger gefährdete mit diesen Überlegungen das Projekt. Dessen Ziel lautet: So schnell wie möglich in die Champions League. Nur in der weltweit vermarkteten Hochglanzliga bekommt die österreichische Brause jene Aufmerksamkeit, die sich Besitzer Dietrich Mateschitz wünscht. Stillstand ist für das Projekt nicht vorgesehen. Auch bei Borussia Dortmund wollen sie in die Champions League - und ganz bestimmt auch, weil es dort das große Geld zu verdienen gibt. Und dennoch handeln sie beim BVB nicht wie in Leipzig nur nach den wachstumssüchtigen Gesetzen des Turbokapitalismus. Sonst hätten sie Jürgen Klopp längst feuern müssen. Der spielt mit Dortmund die schlechteste Runde seit 1985 - da war Red Bull noch nicht mal auf dem Markt. Und trotzdem lieben sie in Dortmund den Trainer, der für alles steht, was sie sich im Pott wünschen: Witz, Wahrhaftigkeit, Cleverness und Herz. Und deshalb wird der BVB Klopp in der aktuellen Krise auch nicht feuern, denn diese Liebe der Fans ist für Borussia langfristig gesehen mehr wert als die Champions-League-Millionen. Der Club braucht seine Anhänger als gesunde Basis für den Erfolg. Beim Leipziger Projekt brauchen sie die nicht. Bezeichnend: Bisher hat RB nur 14 Mitglieder, alle aus dem Dunstkreis von Dietrich Mateschitz. Ein Vereinsleben findet nicht statt. Die Fans mit Schal und Schwenkfahne sind wirklich nur Folklore.

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