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Lausitzer Rundschau: Eine Sorge weniger? Arbeitnehmer sollen zehn Tage bezahlte Auszeit für Pflege bekommen

Cottbus (ots) - Heute scheinbar noch völlig gesund - morgen schon pflegebedürftig. Niemand möchte sich so etwas nur vorstellen. Und doch passiert es, wie wir anhand des Schicksals einer Frau aus dem sächsischen Boxberg in unserer heutigen Ausgabe erzählen. Von einem Tag auf den anderen änderte sich nicht nur das Leben der Endfünfzigerin, die seit mehr als einem Jahr im Wachkoma liegt. Auch ihre erwachsenen Kinder mussten sich schmerzhaft darauf einstellen, dass sie ihre Mutter kaum wiedererkannten und Pflege nun auch den Takt ihres Alltags bestimmt. In Bad Muskau haben sie zwar einen guten Ort der Betreuung gefunden. Zuwendung und Zeit der Angehörigen aber sind dennoch unentbehrlich. Seit mehr als einer Woche rücken wir das Thema Pflege in der Lausitzer Rundschau in den Mittelpunkt einer Serie. Solange es einem selbst nicht zu nahe kommt, wird es gern verdrängt und auf spätere Zeiten verschoben. Dabei holt es einen nur allzu schnell ein. Hilflosigkeit macht Angst. Und das Wort Pflegenotstand, das überall gespenstisch lauert. Informationen können gegen Angst helfen: Wir zeigen Wege zu Leistungen der Pflegekassen, geben Tipps, worauf Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bei der Beantragung von Hilfsmitteln achten sollen, wie es um Pflegestufen bestellt ist. Und verschweigen auch nicht, dass es dafür oftmals einen langen Atem braucht. Wir erzählen auch aus dem Alltag von Pflegenden im Heim: Schichtdienst für wenig Geld, Windelwechsel inklusive. Dennoch konnten Sie von Menschen lesen, die diesen Knochenjob als Berufung empfinden. Und davon werden aufgrund der demografischen Entwicklung in den nächsten Jahren immer mehr gebraucht. Allein im Land Brandenburg sind bis ins Jahr 2030 etwa 20 000 Fachkräfte mehr nötig. Zu Hause pflegen oder im Heim? Vor dieser schwierigen Frage stehen immer mehr Familien. Eine bezahlte Auszeit für Arbeitnehmer zur Pflege von Angehörigen ist deshalb ein guter Vorstoß. Eine Sorge weniger und Anerkennung für eine Leistung, die viele bis an ihre Grenzen fordert. Aber das Problem wird damit nur für den Moment gelindert. Solange es nicht generell eine angemessene Entlohnung für jene gibt, die sich liebevoll und respektvoll um Menschen am Ende ihres Lebens kümmern, bleibt Pflege in Deutschland weiter selbst ein Pflegefall.

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