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Lausitzer Rundschau: Zum Irak und der Rolle des Westens /Reaktion der trägen Masse

Cottbus (ots) - Man konnte das langsame Vordringen der Islamisten von IS geradezu sehen. Erst einige Gebiete in Syrien, dann immer mehr, dann Mossul und nun der halbe Nordirak. In Mali war es vor einem Jahr ähnlich, als die dortigen Islamisten daran gingen, den ohnehin schon fast zerfallenen Staat zu erobern. Libyen, Nigeria und der Sinai sind mittendrin in ähnlichen Prozessen. Obwohl das alles öffentlich stattfindet und sie über viel mehr Informationen verfügen als die normalen Nachrichtenkonsumenten, reagieren die westlichen Regierungen - von Berlin über Paris und London bis Washington - immer erst mit enormer Verzögerung. Der Westen ist im Kampf gegen den radikalen Islamismus und andere Gefahren eine träge Masse. Das hat verschiedene Gründe. Die westliche Öffentlichkeit schreit erst auf, wenn sie Blut sieht, viel Blut. Wenn sich eine Empörungswelle gebildet hat. Erst dann ist sie bereit, Opfer zu bringen, Geld, Material oder Soldatenleben. Das ist normal, denn die betroffenen Länder scheinen weit weg zu sein. Umso mehr müssten aber die Regierungen und ihre Geheimdienste auf der Hut sein. Sind sie aber nicht. Im aktuellen Fall haben gleich mehrere Faktoren dafür gesorgt, dass lange weggesehen wurde. Der eine: Der amerikanische Präsident Obama wollte sich durch ein entschlossenes "Raus aus dem Irak" von seinem Vorgänger absetzen. Der andere: Europa schafft einfach keine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik. Dann also auch nicht zusammen mit den USA. Der Konflikt mit Russland kam als dritter Faktor hinzu, er hat zum Beispiel dazu geführt, dass es kein koordiniertes Vorgehen in Syrien gab, wo IS groß wurde. Und dann ist da noch das Sonderproblem Deutschland. Hier gibt es die Kultur der Friedfertigkeit und die alleinige Kompetenz des Bundestages für Auslandseinsätze. Beides aus gutem Grund. Aber unter dieser Begründungsdecke hat sich mittlerweile auch eine beträchtliche Gemütlichkeit breit gemacht, die Neigung, nach allem zu suchen, nur nicht nach eigenen Aktionsmöglichkeiten. Sie geht so weit, dass sogar die Lieferung von nicht tödlichen Militärgütern an die verzweifelt kämpfenden Kurden jetzt wieder zerredet und verzögert wird. Das ist beschämend. Stattdessen hört man in diesen Tagen von Politikern aller Parteien, schließlich hätten die Amerikaner den Irak-Schlamassel selbst verursacht, dann sollten sie ihn nun auch abräumen. Als ob es nicht jenseits des Fehlers von George W. Bush eine gemeinsame Verantwortung gibt, die Jesiden und Christen vor den Fanatikerhorden zu retten, als ob es nicht das gemeinsame Interesse ist, kein Islamisches Kalifat zu dulden, das irgendwann mit seinen Bomben auch unsere Bahnen, Busse und Innenstädte erreicht. Schon jetzt schauen die Behörden hilflos zu, wenn IS-Sympathisanten auf hiesigen Straßen mit ihren Fahnen auftreten und ihren Krieg gegen Andersgläubige schon mal verbal austragen. Auch das ist beschämend. Wenn der Westen insgesamt nicht koordinierter, entschlossener und schneller Auftritt gegen den Fanatismus, wird seine Lebensweise in Gefahr geraten.

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