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Lausitzer Rundschau: Kein Grund zur Panik Zur Diskussion über ärztliche Behandlungsfehler

Cottbus (ots) - Kein Mensch ist unfehlbar. Der Arzt auch nicht. Insofern werden Patienten wohl auch künftig mit falschen Diagnosen konfrontiert sein. Oder Operationen, bei denen Mediziner schlicht versagt haben. Zur Panikmache besteht jedoch kein Anlass. Selbst wenn die statistischen Angaben lückenhaft sind, so lässt sich aus den vorliegenden Daten doch schließen, dass Behandlungsfehler eine Ausnahme darstellen und nicht etwa die Regel. Trotz aller Unkenrufe fühlen sich die allermeisten Patienten bei ihrem Arzt in guten Händen. Auch weil das Gesundheitswesen in Deutschland international zu den Besten seiner Art gehört. Im konkreten Fall ist ein Fehler freilich immer einer zu viel. Schon deshalb sind regelmäßige Veröffentlichungen darüber auch so wichtig. Denn nur, wer Fehler benennt, kann sie künftig auch vermeiden. Schon um Skandalisierungen einen Riegel vorzuschieben, wäre es wichtig, über eine gesicherte Datenlage zu verfügen. Ein nationales Fehler-Register, wie es die Stiftung Patientenschutz fordert und in dem sich alle beanstandeten Behandlungsfälle, egal ob von Ärzten, Kassen oder Gerichten registriert, widerspiegeln, ist daher überfällig. Zumindest wäre es dann schlecht möglich, ohne fundierten Nachweis fünfstellige Horrorzahlen über Tote durch mangelnde medizinische Sorgfalt in die Welt zu setzen, wie das schon in der Vergangenheit geschehen ist. Parallel dazu gilt es, den Ursachen ärztlicher Fehler stärker auf den Grund zu gehen. Wer dafür allein den täglichen Stress ins Feld führt, macht es sich sicher zu einfach. Arbeitsverdichtung und wachsende Leistungsanforderungen sind schließlich auch in vielen anderen Berufen an der Tagesordnung. Fest steht, dass sich Kliniken schon länger veranlasst sehen, die medizinische Notwendigkeit von Operationen den wirtschaftlichen Zwängen unterzuordnen. Auch deshalb häufen sich Eingriffe bei Knie- und Hüftgelenken, obwohl für manchen Patienten vielleicht einfach mehr Bewegung nutzbringender wäre. Durch das geltende Vergütungssystem für die Krankenhäuser wird diese Praxis zweifellos begünstigt. Hier muss die Politik dringend über Korrekturen nachdenken. Auch ist es ein unhaltbarer Zustand, dass die allermeisten Bundesländer ihren Investitionsverpflichtungen gegenüber den Kliniken mehr schlecht als recht nachkommen. Das wiederum sorgt ebenfalls für unnötige Operationen, mit deren Erlös manche Klinik dann eben ihr kaputtes Dach reparieren lässt. In die Problemkette gehört darüber hinaus eine unzureichende medizinische Spezialisierung. Viele Studien belegen inzwischen, dass Krankenhäuser mit einer hohen Fallzahl an Geburten oder Gelenkoperationen eine deutlich geringere Fehlerquote aufweisen als Kliniken mit geringen Fallzahlen. Es gibt also noch genügend Stellschrauben, um Behandlungsfehler zu minimieren. Auch wenn sie sich nie gänzlich vermeiden lassen werden.

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