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Lausitzer Rundschau: Zum Fall Uli Hoeneß und anderen Steuersündern: Mehr Mut

Cottbus (ots) - Zum Fall Uli Hoeneß und anderen Steuersündern: Mehr Mut

Das wird ein Prozess mit immenser Signalwirkung werden: Wenn Uli Hoeneß heute vor den Kadi tritt, dann wird anderswo mächtig gezittert. Denn manch ein Steuersünder bekommt noch einmal vor Augen geführt, was ihm blühen kann, wenn er den Fiskus betrügt. Kein Wunder also, dass die Steuergewerkschaft mit einer rasant steigenden Zahl der Selbstanzeigen rechnet. Übrigens so, wie nach jedem Ankauf einer Steuer-CD durch die Finanzbehörden. Die rechtliche Betrachtung des Falls und mögliche Folgen für Hoeneß muss man jetzt dem Gericht überlassen. Aus moralischer Sicht ist das Verhalten des Bayern-Präsidenten nach wie vor scharf zu verurteilen. Steuerehrlichkeit hat schließlich etwas mit einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung zu tun, die insbesondere jene auszeichnen sollte, die sich auf der Sonnenseite des Lebens befinden. Umso mehr, wenn derjenige gerne selbst die Moralkeule schwingt. Wie Hoeneß es in der Vergangenheit häufig genug getan hat. Der Fall Hoeneß hat allerdings zugleich eine politische Dimension - und damit ist nicht gemeint, dass der Bayernboss einen engen Draht zur bayerischen Staatskanzlei oder sogar zum Bundeskanzleramt gepflegt hat. Auf Promi-Steuersünder - wie zuletzt auch auf Alice Schwarzer - reagiert die Politik reflexartig mit großen Debatten über Konsequenzen. Selbst der Bundestag hat über Hoeneß gestritten. Geht es aber an die Umsetzung, verpufft der Elan oft wie heiße Luft. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Denn wer Steuerhinterziehung wirksam bekämpfen will, muss bereit sein, große Räder zu drehen. Der muss beispielsweise Banken an die Kandare nehmen, die Steuerflucht zum Geschäftsmodell gemacht haben. Oder es multinationalen Konzern erschweren, ihre Gewinne dorthin zu verschieben, wo sie am wenigsten Steuern bezahlen. Dazu bedarf es Mut. Der fehlt jedoch vielfach in der Politik.

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