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Lausitzer Rundschau: Der Weltfriede ist Thema jeder Weihnachtsbotschaft. Ändert das was?
Alle Jahre wieder

Cottbus (ots) - Weihnachten war schön. Ruhe. Frieden. Zeit für die Familie. Zeit der großen Gefühle. Die Kirchen sind voll. Auch wer nicht an Gott glaubt, fühlt sich wohl. Starke, oftmals literarisch-poetische Worte fallen von der Kanzel. Ernste Botschaften, in denen Jahr für Jahr aufs Neue Weltfrieden und Gewaltfreiheit gepredigt werden. Wie ernst darf man diese Reden eigentlich nehmen? Hinter den vielen guten Worten stecken viele gute Absichten. Mit Papst Franziskus hat die Kirche wieder ein Oberhaupt, das sehr viel Glaubwürdigkeit ausstrahlt. Man fühlt mit, wenn er darüber klagt, dass Millionen von Menschen unter Krieg, Vertreibung und Ausbeutung leiden. Der Friedensfürst - Christus - möge die Herzen der Gewalttätigen bekehren, betet der Papst. Und die, die davon profitieren, möchte man hinzufügen. Auch das Staatsoberhaupt der Deutschen, Präsident Joachim Gauck, findet richtige Worte. Hass und Krieg zerstörten das Miteinander. Weihnachten hingegen stärke die Hoffnung und die Sehnsucht nach Frieden. Dann kommt Gauck auf die vielen Flüchtlinge in aller Welt zu sprechen. Krieg und Hunger, Verfolgung und Not seien die Ursachen, dass diese Menschen vergleichbar macht mit jenen, "die da einst nach Bethlehem zogen" - also Maria, Josef und das Jesuskind. Mehr als 40 Millionen Menschen sind in dieser Zeit weltweit auf der Flucht. Die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland steigt. Asylbewerberheime sind überfüllt. Bürgermeister ängstigen sich vor fremdenfeindlichen Aktionen. "Tun wir wirklich schon alles, was wir tun könnten?", fragt Gauck. Das ist ein Satz zum Einrahmen und an die Wand hängen. Weil man ihn so schnell vergisst, sobald die Zeit der schönen Reden vorbei ist. Ein Satz, der zu angestrengtem Nachdenken anregt. Eine Welt ohne Krieg oder gar ohne Konflikte wird es wohl nicht geben, solange die Erde von Menschen bewohnt ist. Das ahnt vermutlich auch der Papst. Wer sich eine bessere Welt wünscht, sollte sich das ehrlicherweise eingestehen. Die Abschaffung aller Konflikte ist ein ebenso absurder Traum wie der vom Ende der Geschichte, der nach dem Ende des Ost-West-Konflikts von Historikern geträumt wurde. Dennoch: Viele Konflikte und vor allem ihr tödliches Ende wären vermeidbar, wenn hinter jenen, die Gewalt ausüben nicht andere stünden, die sie anstiften oder befehligen. Und ihnen die Waffen in die Hand drücken, mit denen sie auf Menschenjagd gehen. Allein 1,75 Billionen Dollar geben die Staaten der Welt für die Rüstung aus - ganz vorne dran die USA. Unvorstellbar viel Geld, das erst einmal erwirtschaftet werden muss. "Tun wir wirklich schon alles, was wir tun könnten?" Nein, natürlich nicht. Eine deutliche Reduktion der Rüstungs- und Waffenproduktion wäre ein guter Anfang, um das Leid auf der Erde deutlich zu mindern. Das wäre auch gut für künftige Weihnachtsbotschaften. Sie würden noch glaubhafter klingen, so realistisch wie die Klingglöckchen am Weihnachtsbaum.

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