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Lausitzer Rundschau: Bund und Industrie setzen auf Elektroautos

Cottbus (ots) - Die Welt macht sich auf in die elektromobile Zukunft und Deutschland vorne mit, nachdem es anfangs den Start verschlafen hatte. Man sollte sich allerdings nichts vormachen: So revolutionär ist das Auto nicht, das da nun entwickelt wird. Eigentlich ist es bloß die Fortsetzung des gewohnten Individualverkehrs mit einem anderen Motor. Es ist ein Auto, das das Problem der Ölknappheit beantworten kann, und - sofern der Strom aus erneuerbaren Energien kommt - zum Teil auch das des Klimawandels. Aber es ist kein neues Konzept von Mobilität, sondern das Gleiche in Grün. Ein Auto ist gegenwärtig eine einem einzelnen Besitzer gehörende, sehr komplexe und sehr teure Kiste, die die Aufgabe hat, diesen Besitzer von A nach B zu bringen - meist nur ihn allein. Dafür ist es 1,0 bis 2,5Tonnen schwer, selbst wenn der Besitzer nur 50Kilogramm wiegt, und benötigt zu seiner Herstellung entsprechend viel Material und Energie. Alles, um zu mehr als 90Prozent seiner Zeit ungenutzt herumzustehen, dabei aber viel Wert und Fläche verbrauchend. Ansonsten fährt es im Durchschnitt 30Kilometer pro Tag, ein Diesel 50Kilometer. Das Auto ist aber noch mehr. Es ist auch ein individueller Ausdruck seines Halters, eine Art Außenform seines Ich und Bühne seiner Eitelkeit. Am Ende geht es um Lifestyle. Beim E-Auto mit seinen vielen Möglichkeiten, zusätzlichen Schnickschnack einzubauen, wahrscheinlich noch mehr als heute. Dieses Autokonzept entspricht den Interessen der Hersteller und ebenso der Konsumenten. Und dieses Konzept bleibt nach derzeitiger Planung auch beim E-Auto der Kern der Dinge. Bloß: So wird das E-Auto nie und nimmer die Mobilitätsbedürfnisse von bald neun Milliarden Menschen auf dem Planeten erfüllen können. Die Ressourcen der Erde werden das nicht hergeben. Wo heute die Ölknappheit zu neuen Wegen zwingt, wird es schon übermorgen die Knappheit an seltenen Metallen und Legierungen für die Batterien sein. Das alles soll kein Einwand dagegen sein, dass der Staat der neuen Technik mit Forschungsmillionen und Koordinierungsanstrengungen aus den Kinderschuhen hilft. Denn hierbei geht es auch um Arbeitsplätze, die, wenn nicht hier, dann woanders entstehen. Aber die Bundesregierung sollte auch nicht so tun, als befahre sie mit dem E-Mobil einen Königsweg. Eher ist es eine neue Sackgasse. Sie sollte deshalb auch an Alternativen forschen und diese ebenso fördern. Zur Not auch ohne Beteiligung der Autoindustrie. An Car-Sharing-Modellen etwa, die sich beim E-Auto mit seinen differenzierten Abrechnungsmöglichkeiten in Ballungsräumen geradezu anbieten. Oder an Versuchen, die Straße selbst zum elektrischen Energieträger zu machen, mit Induktionsschleifen im Pflaster oder an den Rändern, ähnlich wie bei der Carrera-Bahn. Das mag alles noch nach Science-Fiction klingen, aber dass Millionen Mammutbatterien in den Kofferräumen von Millionen einzelner Vehikel die Zukunft sein sollen, das ist nun doch zu fantasielos.

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