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Lausitzer Rundschau: Der Menschen wegen Der Luftangriff in Kundus und die Bundeswehr

Cottbus (ots)

Von Tag zu Tag werden die Meldungen verwirrender
und die Spekulationen größer. Der inzwischen auch vom 
Verteidigungsminister als "militärisch nicht angemessen" 
charakterisierte Bombenangriff von Kundus gibt immer neue Rätsel auf.
Die von der Bundeskanzlerin versprochene vollständige Aufklärung ist 
in weite Ferne gerückt. Es muss jetzt im Gegenteil davon ausgegangen 
werden, dass der Schlingerkurs in der Informationspolitik der 
Bundesregierung nicht in erster Linie ein Fehler im Politikmanagement
und Ausdruck persönlicher Unfähigkeit der zurückgetretenen Spitzen 
des Verteidigungsministeriums ist. Viel naheliegender ist derzeit die
Erklärung, dass von Anfang an mehr auf dem Spiel stand als der 
gravierende Fehler eines Bundeswehrobersten. Was wollte, was will das
Verteidigungsministerium darüber hinaus verbergen, fragen sich jetzt 
in Berlin viele. Aber darüber weiter zu rätseln, ist derzeit müßig, 
denn die Informationslage ist noch zu dürftig. Und die immer neuen 
Details, die jetzt scheibchenweise nach außen dringen, drohen die 
wichtigsten Fragen in den Hintergrund zu drängen. Es steht inzwischen
zweifelsfrei fest, dass der von der Bundeswehr befohlene Einsatz als 
hart am Rande eines Kriegsverbrechens zu bezeichnen ist. Das durch 
diplomatische Zurückhaltung bekannte Internationale Rote Kreuz 
spricht davon, dass die Bombardierung nicht mit dem Völkerrecht 
vereinbar war. Dies ist ein gravierender, ein alarmierender Befund. 
Deswegen ist eine schnelle parlamentarische wie auch juristische 
Aufklärung des Falles unabdingbar. Und sie sollte sich nicht in 
erster Linie darauf konzentrieren, ob Verteidigungsminister 
Karl-Theodor zu Guttenberg zum falschen Zeitpunkt zu schnelle und 
falsche Einschätzungen traf. Sie muss sich vielmehr vor allem mit der
Frage beschäftigen, warum deutsche Soldaten einen Einsatz erwirken, 
dem eine große Zahl unbewaffneter Menschen, darunter auch viele 
Jugendliche und Kinder, zum Opfer fiel. Dazu war bislang viel zu 
wenig zu hören. Die Ehrenerklärung des Ministers für den 
verantwortlichen Offizier, jenen inzwischen republikweit bekannten 
Oberst Klein, war dabei genauso wenig hilfreich wie Guttenbergs 
vorschnelle Stellungnahmen, in denen er den Einsatz insgesamt 
verteidigte. Aber auf den Minister, der in wenigen Wochen einen 
Gutteil seiner Autorität verlor, kommt es jetzt sowieso nicht mehr 
wirklich an. Die Bundeswehr insgesamt steht vor der Frage, ob sie 
eine Armee ist, die den Grundsätzen unserer Verfassung Rechnung 
trägt. Denn die Menschenwürde zu achten, ist nicht nur im Inland 
Verpflichtung für jeden deutschen Soldaten. Sie ist auch die 
Grundlage für jeden Auslandseinsatz der Bundeswehr. Dagegen aber 
wurde in Kundus verstoßen.

Pressekontakt:

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Telefon: 0355/481232
Fax: 0355/481275
politik@lr-online.de

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