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Lausitzer Rundschau

Lausitzer Rundschau: Bundesparteitag der SPD Seelenretter Beck

Cottbus (ots)

Es war absehbar, dass die Parteien der Großen
Koalition sich wieder auseinanderentwickeln würden, je näher Wahlen 
rücken. Die Frage war nur, wann und wie das Ende der Harmonie 
eingeläutet werden würde. Die SPD hat diesen Schritt nun in Hamburg 
getan. Auch, weil ihr Vorsitzender endlich Profil zeigen musste.
 Die Sozialdemokraten hatten sich im Alltag des Regierens unter 
Angela Merkel regelrecht verloren. Kurt Beck hat der SPD Seele und 
Selbstbewusstsein zurückgegeben, indem er sie wieder auf einen 
sozialen Kurs orientiert. Und deutlich von der Union abgrenzt. Es ist
kein Zufall, dass er diesen Kurs teilweise gegen die eigenen 
Kabinettsmitglieder durchsetzen musste.
 Aufschwung für alle, mehr Gerechtigkeit, das ist die große 
politische Marktlücke der deutschen Politik. Beck hat sie entdeckt. 
Es ist eine Marktlücke, die von den fleißigen, aber gefühllosen 
Modernisierern aus allen Parteien hinterlassen worden ist. Der 
Stillstand der Realeinkommen, die wachsende Schere zwischen Arm und 
Reich, immer mehr prekäre Arbeitsverhältnisse, die mangelnde 
Durchlässigkeit unserer Gesellschaft - all das ist bittere Realität 
und braucht endlich politische Antworten. Es ist aber auch eine 
politische Marktlücke, in der sich die Populisten tummeln, allen 
voran die der Linkspartei.
 Becks Ansatz ist zweifellos differenzierter als der von Lafontaine 
und Co. Noch ist das kein Linksruck, was in Hamburg geschah, sondern 
nur eine andere Akzentsetzung. Doch durchgesetzt hat Beck sie mit 
einem höchst zweifelhaften Punkt: der Verlängerung der Bezugsdauer 
des Arbeitslosengeldes I. Der Parteichef propagiert sie, obwohl er es
besser weiß. Denn gerade dieser Teil der Hartz-Reformen hat Wirkung 
entfaltet. Insofern ist Becks Vorgehen an dieser Stelle auch 
populistisch.
 Aus Becks Sicht ist das jedoch der Preis dafür, die SPD wieder auf 
Augenhöhe mit der Union zu bringen. Wenn es dabei bleibt und die 
Substanz der Reformen nicht weiter angetastet wird, mag das noch 
tolerierbar sein. Die Union wird das Spiel mitspielen, schon um Beck 
sein Thema möglichst schnell wieder wegzunehmen. Unvernünftiges wurde
in der Geschichte zu allen Zeiten aus Gründen der politischen 
Opportunität beschlossen.
 De facto wurde in Hamburg der Wahlkampf eröffnet, der um wichtige 
Länder im nächsten Jahr, aber auch schon der um die Macht im Bund im 
Jahr 2009. Die zweite Halbzeit der Großen Koalition wird quälend 
lange dauern.

Pressekontakt:

Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481231
Fax: 0355/481247
lr@lr-online.de

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