Frankfurter Neue Presse: zu Griechenland: "Gegen die Vertrauenskrise" Ein Kommentar von Panagiotis Koutoumanos

Frankfurt am Main (ots) - Das hatten sich die Gründungsväter der Europäischen Union anders vorgestellt. Sicherheit sollte die europäische Integration bringen, natürlich Vertrauen - das der Bürger, der Partnerländer und das der Märkte - und auch die demokratische Bändigung des Nationalismus. "Vaterland der Vaterländer" sollte die Union sein: Europa als höherer Wert.

Davon sind wir wieder weit entfernt. Die Euro-Schuldenkrise hat alte Gräben aufgerissen zwischen dem Norden und dem Süden des Kontinents - vor allem zwischen dem ökonomisch starken Deutschland und dem politisch wie ökonomisch sklerösen Griechenland. Beide Länder trauen sich kaum noch über den Weg. Berlin forciert Sparmaßnahmen, die von einigen Regierungsvertretern im Ton einer moralisierenden und herablassenden Predigt verkündet werden, als würde das Defizit eines Landes die moralische Unterlegenheit eines ganzen Volkes widerspiegeln. Das hoch verschuldete Mittelmeerland soll Sparkommissare und Sperrkonten akzeptieren, ihre Politiker schriftliche Garantien abgeben.

Die Griechen fühlen sich wiederum von den reichen Deutschen schlecht behandelt, fürchten die Macht des großen Partners. Aus Zuneigung wird Aggressivität. So brennen in Athen deutsche Flaggen, bilden griechische Zeitungen rechts- und linksgerichteter Klientel die deutsche Bundeskanzlerin als weiblichen Hitler ab und vergleichen Griechenland gar mit Dachau.

Es wird für beide Seiten höchste Zeit, ihre grundsätzliche Haltung zu überprüfen. Berlin und die anderen Mitglieder der Troika sollten inzwischen erkannt haben, dass schiere Sparwut Griechenland nicht retten kann, das Land den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen benötigt, der ohne einen Marshallplan kaum möglich erscheint. Das Land braucht einfach Wachstum.

Die Griechen müssen sich vor Augen halten, dass nicht Deutschland ihre Misere verursacht hat, dass ein Großteil der nun eingeforderten Einsparungen vor allem deshalb so hart ausfällt, weil ihre Politiker es beizeiten versäumt haben, die empfohlenen Reformen durchzusetzen. Zu wenige wollen einsehen, dass es keine einfachen Lösungen gibt und dass es deshalb verheerend wäre, Gruppierungen am linken und rechten Rande des politischen Spektrums zu folgen, die ihnen genau das vorgaukeln. Denn das beraubt viele in den Regierungsparteien gerade vor den im Frühjahr drohenden Neuwahlen ihres Durchsetzungswillens. Zugleich stehen diese Parteien in der Pflicht, das Vertrauen der Bürger und der Partnerländer in die griechische Politik zurückzugewinnen, indem sie endlich Verantwortung übernehmen und aufhören - verängstigt vom Ausmaß des Reformbedarfs -, der Troika den Schwarzen Peter zuzuschieben.

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