Frankfurter Neue Presse: "Flugsicherung hat die Schlichtung erschwert" Ein Kommentar von Panagiotis Koutoumanos

Frankfurt am Main (ots) - Airlines streiten sich mit den Flughäfen über Start- und Landegebühren, mit der Flugsicherung über deren Sicherheitsgebühren; und sowohl die Fluggesellschaften als auch die Flughäfen prügeln auf die Flugsicherung ein, wenn diese aufgrund von Vulkanasche oder Schneetreiben vorsorglich den Luftverkehr sperrt. Aber wenn es darum geht, die Streikmacht einer vermeintlichen Spartengewerkschaft wie der Gewerkschaft der Flugsicherung zu brechen, dann steht die Front der Arbeitgeber: Tagelang haben so Unternehmen und Verbände aus allen Rohren gegen einen möglichen Streik der Lotsen gefeuert, deren angebliche Gier verurteilt und um die Solidarität der Passagiere geheischt, auf deren Rücken die Lotsen ihre Machtprobe austrügen.

Dabei haben sie alle gewusst, dass es nicht zu einem Streik der Fluglotsen kommen würde, weil die Flugsicherung im Notfall die Schlichtung anrufen kann - so wie es das bundeseigene Unternehmen in der Vergangenheit schon sechs Mal getan hat, und zwar stets mit Erfolg, sprich: mit einer Einigung ohne Arbeitsniederlegungen. Eine solche Einigung wird dieses Mal aber schwieriger zu erreichen sein. Und das liegt weniger an den Fluglotsen als an den Verantwortlichen der Flugsicherung. Wenn es ihr tatsächlich um das Wohl der Flugpassagiere gegangen wäre, hätte sie viel früher zum Instrument der Schlichtung gegriffen. Stattdessen hat sie mit aller Macht versucht, die Gewerkschaft von den Gerichten zurechtstutzen zu lassen.

Die Folge: Der Arbeitgeber hat die Lotsen radikalisiert, nachdem er das Klima im Unternehmen ohnehin schon vergiftet hatte. Denn bei seinen Sparbemühungen hat die Unternehmensspitze unnötig viel Porzellan zerschlagen. Die Vorgehensweise des Geschäftsführers Jens Bergmann, der unglücklicherweise sowohl für das Personal als auch die Finanzen zuständig ist, treibt die Lotsen seit langem auf die Barrikaden.

Natürlich dürfen die Lotsen nicht den Kostendruck ignorieren, der in der Flugsicherung durch die - von den Airlines geleiteten - Vorgaben der EU entstanden ist. Aber dieses Problem gilt es, zusammen mit den Arbeitnehmern zu lösen. Gegen die kann auf Dauer kein Unternehmen agieren - schon gar nicht, wenn diese Arbeitnehmer tagtäglich für die Sicherheit von zigtausend Menschenleben verantwortlich sind. Deshalb haben die Gerichte auch völlig zu Recht den Fluglotsen ein Mitsprache-Recht bei der Besetzung von Führungspositionen eingeräumt, die das operative Geschäft direkt beeinflussen.

So bietet die in letzter Minute angerufene Schlichtung endlich die Chance, zusammen auszuloten, inwieweit die betriebswirtschaftlichen Interessen des Unternehmens mit den Interessen der Lotsen und der Passagiere vereinbar sind. Nicht auszuschließen, dass sich die Gewerkschaft in einem solchen Miteinander auch mit einer sehr geringen Lohnerhöhung zufrieden geben wird, wenn sich dadurch teure Strukturen aufrecht erhalten lassen, die der Sicherheit der Passagiere dienen.

Pressekontakt:

Frankfurter Neue Presse
Chef vom Dienst
Peter Schmitt
Telefon: 069-7501 4407