Frankfurter Neue Presse: Herabstufung der US-Bonität US-Bonität: Neuland ist kein Land des Schreckens Leitartikel von Panagiotis Koutoumanos

Frankfurt am Main (ots) - Standard &Poor's hat also Wort gehalten. Einsparungen in Höhe von vier Milliarden Dollar hatte der US-Rating-Riese unlängst von den USA gefordert - sonst werde er den Vereinigten Staaten die Bestnote AAA aberkennen. Die USA konnten sich nur auf rund 2,5 Milliarden Dollar einigen und haben als "Verschuldete Staaten von Amerika", die mit ihrem absurden Polit-Theater eine neue Benchmark in Sachen fiskaler Verantwortungslosigkeit gesetzt haben, nun zurecht die Quittung bekommen.

Angesichts der Tatsache, dass die USA seit 1941 von S & P stets die Bestnote als Kreditnehmer erhalten haben, betreten wir finanzpolitisches Neuland. Aber dieses ist kein Land des endlosen Schreckens. Das Weltfinanzsystem wird deswegen nicht zusammenbrechen; die Achsen dieses Systems werden sich vielleicht nicht mehr ganz so langsam verschieben wie bisher, aber weiterhin stabil bleiben. Und die USA werden lernen, damit zu leben.

Sicher: Bei Fonds und anderen Investment-Gesellschaften werden heute Risiko- und Handelssysteme umkodiert, Liquiditäts- und Handelsmanagement überprüft. Und bei einigen dürfte hier und da das rote Lämpchen leuchten - aber die überwältigende Mehrheit der Investoren wird nicht zum Handeln gezwungen sein - denn bislang hat ja nur eine der drei maßgeblichen US-Ratingagenturen die USA herabgestuft. Hinzu kommt, dass zu den wichtigsten Haltern von US-Staatsanleihen neben der US-Zentralbank Fed auch China und Japan gehören. Und die müssen weiter in nennenswertem Umfang US-Papiere kaufen, um den Wechselkurs ihrer Währungen gegen den Dollar stabil zu halten.

Heißt: Eine große Flucht aus den US-Schuldtiteln wird es nicht geben. Wohin sollten die großen Anleger auch flüchten? Der Euro und der Yen kommen dafür kaum in Frage, denn die Euro-Zone und Japan kämpfen selbst mit riesigen Schuldenbergen. Andere "sichere Häfen" wie der Schweizer Franken sind schlicht zu klein. Das trifft auch auf den chinesischen Yuan zu. Beide Anleihe-Märkte sind Welten entfernt von der Größe ihres US-Pendants, der es auf fast zehn Billionen Dollar bringt.

Anders dürften allerdings die unmittelbaren Auswirkungen der Herabstufung auf die Börsen aussehen. Zu befürchten ist, dass die kommenden Tage turbulent werden. Dahinter steht zwar auch die Furcht, dass die USA künftig höhere Zinsen für ihre Kredite zahlen müssen und diese höheren Zinsen zum Endverbraucher durchgereicht werden, so dass die US-Konjunktur weiter gebremst wird. Vor allem aber sind kurzfristig weitere Kursrückgänge zu erwarten, weil viele Anleger derzeit vor lauter Krisen-Alarm offenbar nicht mehr klar denken können. Das Börsengeschehen gleicht einem sich selbst verstärkenden Herdentrieb, weil nichts beängstigender ist als sich in der Mitte einer verängstigten Menge zu befinden.

Wenn der Anleger aber innehält, wird auch er feststellen, dass von der schlechteren US-Bonität per se kein größeres Risiko ausgeht. Schon vor den USA sind Staaten von AAA auf AA herabgestuft worden. Und die Zinsen für deren Anleihen sind gar nicht oder kaum gestiegen. Und selbst wenn die Reaktion diesmal anders ausfallen sollte, ist da ja auch noch die Fed, die dann weitere quantitative Lockerungsmaßnahmen (quantitative easing) ergreifen würde. Der Anleger sollte also kühlen Kopf bewahren und nicht mulmigen Bauchgefühlen folgen, auch wenn viele in Politik und Medien ihm das nicht zutrauen und lieber den Bauch adressieren.

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