Frankfurter Neue Presse: Lohnerhöhungen dank Sommermärchen. Leitartikel von Thomas Baumgartner über die Erfolge der deutschen Exportwirtschaft.
Frankfurt am Main (ots) - Das "Sommermärchen" in der deutschen Wirtschaft geht weiter. Mit ungeahnter Geschwindigkeit erholt sich die Industrie vom tiefen Absturz in Folge der Finanzkrise. Bei den Ausfuhren könnte sogar schon im nächsten Jahr das Vor-Krisen-Niveau wieder erreicht sein, in der Gesamtwirtschaft vielleicht 2012. Weil sich die Boom-Signale verstärken, werden die Forschungsinstitute bald ihre Wachstumsprognosen anheben - 2,5 Prozent gilt inzwischen fürs laufende Jahr als Minimum.
Noch wichtiger: Der Aufschwung wird breiter und nicht mehr ausschließlich vom Export getragen.
Wenn das "Doping" durch staatliche Konjunkturprogramme ausläuft, droht abermals ein besonders deutlicher Dämpfer. Umso wichtiger daher, dass nun neben die Ausfuhren weitere Konjunktur-Lokomotiven treten. Mehr Investitionen zum Beispiel in den Wohnungsbau statt gewagter Finanzspekulationen (aktuell vom Bankberater gern empfohlen: Rohstoff-Zertifikate) würden helfen, die Ungleichgewichte in den weltweiten Handelsbilanzen abzumildern.
Auch spürbare Lohnerhöhungen scheinen angesichts der Exporterfolge der deutschen Industrie bezahlbar - und sie stützten den privaten Verbrauch. Das Gegenargument, die Lohnstückkosten seien bereits durch die massenhafte Kurzarbeit zu stark gestiegen, greift nicht: Wenn Unternehmen die (künftig knappen) Fachkräfte in der Krise unbedingt halten wollen, sollten sie auch im Aufschwung bereit sein, ihre Mitarbeiter per Gehaltszuschlag an den wieder sinkenden Arbeitskosten je erzeugtem Produkt zu beteiligen. Ein gewisser Ausgleich für die niedrigen Tarifabschlüsse der vergangenen Jahre gäbe zudem den schwächeren Ländern in der Euro-Zone die Chance, durch Lohnzurückhaltung nach deutschem Vorbild wieder Boden gutzumachen.
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