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Frankfurter Neue Presse: Frankfurter Neue Presse zu Griechenland: "Griechenland braucht Geschlossenheit" Kommentar von Panagiotis Koutoumanos

Frankfurt am Main (ots) - Nun müssen die Griechen die Hilfe zur Selbsthilfe aber auch richtig nutzen. Noch herrschen angesichts der anstehenden, schweren Einschnitte nicht nur Zweifel und Angst in weiten Teilen der Bevölkerung. Weil Griechenland nun auf unabsehbare Zeit unter fremde Vormundschaft gerät, fühlen sich viele Hellenen auch gedemütigt. Von einer nationalen Schande ist mit Blick auf die Inanspruchnahme des Hilfspakets die Rede.

Eine Scham, die vor allem von der Kommunistischen Partei (KP) - sie ist in Griechenland immerhin mit 7,5 Prozent der Wählerstimmen im Parlament vertreten - und ihr nahe stehenden Gewerkschaften missbraucht wird, um Wut gegen die sozialistische Regierung, die EU und den IWF zu schüren. Auch die konservative Nea Demokratia, die bis vergangenen Herbst an der Macht war und ihren Teil zur wirtschaftlichen Misere des Landes beigesteuert hat, lässt keine Gelegenheit aus, die Kompetenz der Regierung in Frage zu stellen und damit die Menschen weiter zu verunsichern - echte Lösungen bietet indes niemand in der Opposition.

Das macht die Aufgabe von Premierminister Jiorgos Papandreou doppelt schwer. Schließlich braucht der Anführer der Pasok Griechenland geschlossen hinter sich, um die nötigen Strukturreformen umzusetzen. Zum einen muss er den Griechen klar machen, dass nicht die Inanspruchnahme des Hilfspakets eine Schande ist, sondern die Lethargie, die dazu geführt hat und nun ein Ende haben muss. Eine Lethargie, in der das Land riesige Fördersummen aufgezehrt hat, ohne seine verkrusteten Strukturen aufzubrechen. In der es sich Unternehmer dank leicht gemachter Steuerflucht und politischer Kuhhandel bequem machen konnten. In der ein guter Teil der Bevölkerung sich der Illusion hingab, es sich mittels geliehenen Geldes gut gehen lassen zu können, und rund 20 Prozent der Griechen dazu verdammt war, unter dem Existenzminimum zu leben.

Zum anderen wird Papandreou einen politischen Kulturwandel einleiten müssen, indem er etwas tut, was in Griechenland bislang beinahe undenkbar gewesen ist: Er muss parteiübergreifend Unterstützung für den Reformkurs gewinnen. Und das heißt, nicht nur die Nea Demokratia, sondern auch die Parteien links von der Pasok an einen Tisch zu bringen. Sie alle müssen einsehen, dass es hier keinen Spielraum für Feldgewinne einzelner politischer Lager gibt. Entweder schaffen es ihre Führer, sich zu verständigen und so Griechenland gemeinsam auf den rechten Weg zu bringen. Oder aber sie gehen gemeinsam unter.

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