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Frankfurter Neue Presse: Frankfurter Neue Presse zur Übernahme der britischen Arriva durch die Deutsche Bahn AG

Frankfurt am Main (ots) - Global Player statt Daseinsvorsorge

Was die Deutsche Bahn AG gerade in den vergangenen Monaten ihren Kunden in Deutschland zugemutet hat, ist allerhand. Entsprechend schwierig dürfte es Bahn-Chef Grube nun fallen, ihnen die gestern verkündete Milliarden-Übernahme im Ausland zu vermitteln. Zumal sie als Steuerzahler über die staatliche Subventionierung des Schienennetzes und des Nahverkehrs die Bahn AG indirekt mitfinanzieren.

Was bringt uns der Kauf der britischen Arriva? werden sich die hiesigen Kunden fragen. Die Antwort kann nur lauten: Nicht viel. Da nun auch der Schienenfernverkehr in der EU liberalisiert ist, könnten Bundesbürger irgendwann mit der Deutschen Bahn auf der Schiene die komplette Reisekette von Deutschland bis nach Italien, Spanien oder Portugal buchen - angefangen beim ICE über den Nahverkehrszug bis hin zum Bus. Angesichts des Erfolgs der Billigflieger in Europa, dürfte sich aber die Zahl derer, die Europa auf der Schiene durchqueren wollen, in Grenzen halten.

Und dass der deutsche Verkehrskoloss dank steigender Auslandsgewinne bald auf die staatlichen Subventionen verzichten könnte, ist auch nicht absehbar. Das hatte selbst Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn ausgeschlossen, dessen Expansionsdoktrin die neue Bahn-Führung weiter verfolgt. Und da der Schuldenberg der Bahn mit der knapp 2,8 Milliarden-Euro-schweren Übernahme nun noch größer wird, rückt eine Entlastung des Steuerzahlers in weitere Ferne.

Stattdessen könnte die fortschreitende Konsolidierung auf dem europäischen Verkehrsmarkt dem Verbraucher sogar schaden. Zum einen, weil Wettbewerb verloren geht: Die deutschen Arriva-Töchter wird die Bahn zwar verkaufen müssen. Zu bedenken ist allerdings, dass es Arriva hierzulande mit viel Geschick gelungen ist, der Bahn AG stetig Marktanteile im Nahverkehr abzujagen. Ob der künftige Eigentümer auch so erfolgreich sein wird, ist offen. Zum anderen, weil das Geld, dass der Staatskonzern für Arriva aufwendet, für dringend benötigte Investitionen im Heimatland fehlt.

Aber die Frage nach dem Kunden-Nutzen der teuersten Übernahme der Bahn-AG-Geschichte hat bei der Entscheidung des Vorstands und Aufsichtsrats keine Rolle gespielt. Grube hat zwar immer betont, dass er sich auf das Brot- und Buttergeschäft zu Hause konzentrieren wolle. Einer ausländischen Sahne-Schnitte wie Arriva konnten allerdings weder Grube noch Bundesverkehrsminister Ramsauer widerstehen. Schließlich sehen beide die Bahn AG weniger als Teil der Daseinsvorsorge denn als Global Player, der in einigen Jahren zu den vier, fünf in Europa verbliebenen Großanbietern gehören soll.

Auf dem Weg dorthin erscheint die Arriva aufgrund ihrer breiten Präsenz und Profitabilität tatsächlich eine gute Wahl zu sein - gemessen an vergleichbaren Deals geht auch der Preis in Ordnung. Mit dem Zukauf kann Grube nicht nur die Einbußen, die er durch den hiesigen Wettbewerb im Nahverkehr erleidet, mehr als ausgleichen. Im Kampf um die Vorherrschaft hält er auch die französische SNCF auf Distanz. Und laufen die Arriva-Geschäfte weiter gut, taugen sie auch als Teil einer Börsen-Story, an der Grube sicherlich schon bastelt.

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