Frankfurter Neue Presse

Frankfurter Neue Presse: Ist es Krieg? Leitartikel von Susanne Keeding über zu Guttenbergs Auftritt im Afghanistan-Untersuchungsausschuss.

Frankfurt am Main (ots) - Laut Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg darf der Einsatz in Afghanistan "umgangssprachlich" als "Krieg" bezeichnet werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte Anfang April erstmals zumindest "Verständnis" für Soldaten, die ihr Tagesgeschäft am Hindukusch als Krieg erleben. Nur Außenminister Guido Westerwelle bleibt beharrlich beim "bewaffneten Konflikt". Eine Bundesregierung, drei Ausdrucksweisen. Aber sind es auch drei Sichtweisen?

Gemeinsam ist allen dreien, dass sie den Einsatz als solches nicht infrage stellen. Im Gegenteil. Gestern nahm Merkel ausdrücklich auf den früheren SPD-Verteidigungsminister Peter Struck Bezug. Seine Aussage "Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt", ist legendär - knapper hat es bislang noch niemand auf den Punkt gebracht.

Doch verdeutlicht eine deutlichere Wortwahl immer noch nicht den Sinn des Bundeswehreinsatzes. Wo früher der Begriff verschleierte, was in Afghanistan geschieht, verschleiern heute ganze Regierungserklärungen, wofür die Soldaten am Hindukusch eigentlich kämpfen. Zumal unbekannt ist, ob die Afghanen die Zielsetzung der internationalen Gemeinschaft teilen. Im achten Jahr des Afghanistan-Einsatzes erfährt die Bevölkerung immerhin indirekt von ihrer Bundeskanzlerin, was in Afghanistan gerade passiert: Es ist Krieg - nur nicht im juristischen Sinn.

Pressekontakt:

Frankfurter Neue Presse
Chef vom Dienst
Peter Schmitt
Telefon: 069-7501 4407

Original-Content von: Frankfurter Neue Presse, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Frankfurter Neue Presse

Das könnte Sie auch interessieren: