Frankfurter Neue Presse

Frankfurter Neue Presse: zum Thema Guido Westerwelle. Leitartikel von Chefredakteur Rainer M. Gefeller: Der vorlaute Herr W.

Frankfurt am Main (ots) - Der Mann hatte schon immer das Zeug zum Polarisierer; und so hat er auch die ersten 100 Tage seines Regierungsamtes dazu genutzt, sich mit rasiermesserscharfen Sprüchen zum Lieblings-Rüpel der deutschen Republik zu erheben. Mit seinen Attacken gegen die deutsche Hartz-IV-Kultur sorgt Westerwelle dafür, dass seine FDP wieder als Besserverdiener-Partei wahrgenommen wird. Die ersten Parteigranden - Kubicki, Gerhardt, Hahn - rücken von ihm ab. Andere tuscheln hinterrücks, Westerwelle möge sich doch lieber auf die Außenministerei beschränken und beispielsweise in Angola oder Sierra Leone Stehempfänge mit diplomatischen Floskeln bereichern - da könne er an der Heimatfront keinen Schaden anrichten. (...) Seine Äußerungen über Hartz IV sind kalt und gefühllos, ja, beleidigend für all jene, die - häufig ausweglos - in der Armutszone der Gesellschaft leben. Die Empörung, die Westerwelle entgegenschlägt, ist also verständlich - aber sie ist auch kalkuliert. "Wenn ich nur populär hätte werden wollen", sagt er, "wäre ich Schlagersänger geworden." (...) Dennoch ist es nicht ohne Risiko, dass er jetzt so fulminant den marktliberalen Macho gibt: Die Menschen mögen es nicht, wenn man sich auf Kosten anderer profiliert. Die Wähler mögen keine herzlose Politik. Und die Parteifreunde mögen keinen Misserfolg. Das bedeutet: Wenn der Haudrauf-Kurs sich als schädlich erweisen sollte, würde auch der vorlaute Herr W. sich mäßigen müssen. Aber das kann noch dauern. Zum Beispiel bis zum 10. Mai - dem Tag nach der NRW-Wahl. Pressekontakt: Frankfurter Neue Presse Chef vom Dienst Peter Schmitt Telefon: 069-7501 4407 fnp.redaktion@fsd.de Original-Content von: Frankfurter Neue Presse, übermittelt durch news aktuell

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