Deutscher Ethikrat

Stellungnahme zum Import menschlicher embryonaler Stammzellen

    Berlin (ots) - Nach intensiven Beratungen veröffentlicht der
Nationale Ethikrat heute seine Stellungnahme zum Import menschlicher
embryonaler Stammzellen zu Forschungszwecken. Bereits am 29. November
war das Votum zum Stammzellimport in einer Pressekonferenz bekannt
gegeben worden. Nunmehr liegt die Stellungnahme in ihrem
vollständigen Wortlaut vor.
    
    Bereits auf seiner konstituierenden Sitzung im Juni dieses Jahres
hatte der Ethikrat beschlossen, sich bis Dezember zu dieser
umstrittenen Frage zu äußern.
    
    Fazit der umfangreichen Argumentation sind folgende Optionen:
    
    A Der zeitlich befristete Import von pluripotenten humanen
Stammzellen gilt unter strengen (in der Stellungnahme im Einzelnen
angeführten) Bedingungen als ethisch vertretbar, weil die Gewinnung
solcher Stammzellen aus überzähligen Embryonen für ethisch zulässig
gehalten wird. Daher wäre die Gewinnung solcher Stammzellen aus
überzähligen Embryonen auch im Inland vertretbar. Die benannten
Importbedingungen müssen gleichermaßen für die mit staatlicher
Unterstützung geförderte Forschung und für die Forschung im privaten
Bereich gelten.
    
    B Der vorläufige, befristete und an strenge (im Einzelnen
angeführte) Bedingungen gebundene Import humaner embryonaler
Stammzellen wird befürwortet. Alle Bedingungen gelten gleichermaßen
für die mit staatlicher Unterstützung geförderte Forschung und für
die Forschung im privaten Bereich. Sie müssen vor dem Import erfüllt
sein.
    
    C Die vorläufige Ablehnung des Stammzellimports (Moratorium). Der
Gesetzgeber muss zum Import ausdrücklich Stellung nehmen, zuvor aber
eine Reihe von Punkten klären, die einzeln aufgelistet sind. Die
Prüfung dieser Punkte sollte bis Ende 2003 abgeschlossen sein.
    
    D Der Import von Stammzellen gilt als ethisch unzulässig.
Maßgeblich dafür ist die grundsätzliche Beurteilung der Gewinnung von
Stammzellen aus menschlichen Embryonen. Da diese als unzulässige
Instrumentalisierung (Tötung) menschlichen Lebens angesehen wird,
muss auch der Import solcher Zellen verworfen werden: Die
importierten Zellen tragen den ethischen Makel ihrer
Entstehungsbedingungen, der Import wird durch die Steigerung der
Nachfrage einen kausalen Beitrag zum Embryonenverbrauch in den
"Exportländern" leisten, er wird dazu führen, dass das Schutzniveau
für Embryonen auch in Deutschland absinken wird.
    
    Mit Rücksicht darauf, dass sich der Nationale Ethikrat noch zu den
grundsätzlichen Fragen der Stammzellforschung äußern wird, und im
Hinblick auf die anstehenden Entscheidungen zum Import embryonaler
Stammzellen haben sich 15 Mitglieder für einen befristeten und an
strenge Bedingungen gebundenen Import embryonaler Stammzellen (Option
B) ausgesprochen, darunter 9 Mitglieder, die zugleich die Option A
befürwortet haben. 10 Mitglieder haben sich für eine vorläufige
Ablehnung des Stammzellimports (Option C) ausgesprochen, darunter 4
Mitglieder, die zugleich die Option D befürwortet haben.
    
    Der vollständige Wortlaut der Stellungnahme ist unter
www.nationalerethikrat.de abrufbar.
    
    Nationaler Ethikrat
    
    Der Nationale Ethikrat hat die Aufgabe, den interdisziplinären
Diskurs von Naturwissenschaften, Medizin, Theologie und Philosophie,
Sozial- und Rechtswissenschaften zu bündeln. Er nimmt Stellung zu
ethischen Fragen neuer Entwicklungen in den Lebenswissenschaften
sowie zu deren Folgen für Individuum und Gesellschaft.
    
    Im Falle einer Veröffentlichung wird ein Belegexemplar erbeten.
    
    
    Mitglieder
    
    Prof. Dr. Dr. h.c. Spiros Simitis (Vors.)
    Prof. Dr. Regine Kollek (Stellv. Vors.)
    Prof. Dr. Dr. Eckhard Nagel (Stellv. Vors.)
    Prof. Dr. Wolfgang van den Daele
    Prof. Dr. Horst Dreier
    Prof. Dr. Eve-Marie Engels
    Bischof Dr. Gebhard Fürst
    Prof. Dr. Detlev Ganten
    Prof. Dr. Volker Gerhardt
    Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber
    Christiane Lohkamp
    
    Prof. Dr. Therese Neuer-Miebach
    Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Volhard
    Prof. Dr. Peter Propping
    Heinz Putzhammer
    Prof. Dr. Jens Reich
    Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff
    PD Dr. Bettina Schöne-Seifert
    Prof. Dr. Dr. h.c. Richard Schröder
    
    Dr. h.c. Lothar Späth
    Prof. Dr. Jochen Taupitz
    Dr. Hans-Jochen Vogel
    Kristiane Weber-Hassemer
    Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker
    Dr. Christiane Woopen
    
    Leiter der Geschäftsstelle
    des Nationalen Ethikrates
    Dr. Simon Golin M.Sc.
    
    
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