"Wir Profis sind vielleicht auf einem anderen Gehaltsniveau, aber wir haben die gleichen Probleme wie im normalen Leben." - Bayerns Stürmerstar Ivica Olic im Exklusivinterview mit Yahoo! Eurosport

München (ots) - Im Exklusivinterview mit Yahoo! Eurosport ( www.yahoo.de/eurosport ) spricht der FC Bayern-Stürmer über Verletzungspech und Torhunger, die Unterstützung durch Coach Jupp Heynckes und darüber, warum Geld für ihn nicht an erster Stelle steht.

Der zuletzt vom Verletzungspech verfolgte Ivica Olic ist nach seinem Hüftsehnenriss wieder fit, torhungrig und froh, dass seine Zwangspause diesmal "nur" fünf Wochen gedauert hat - denn, so der Stürmer: "Im Vergleich zu acht Monaten waren die fünf Wochen Pause ein Klacks."

In solchen Phasen erzwungener Ruhe, die von großer Ungewissheit und endlos scheinendem Warten geprägt sind, werde klar, "dass Geld nicht alles ist". Wiederholte Rückschläge und der Druck von innen wie von außen treffen schließlich jeden Menschen hart, wie sich an Olics Kollegen Breno zeigt: "Wir Profis sind vielleicht auf einem anderen Gehaltsniveau, aber wir haben die gleichen Probleme wie im normalen Leben."

Über Yahoo! Eurosport

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Das Interview im Wortlaut, freier Abdruck mit Nennung der Quelle Yahoo! Eurosport:

Yahoo! Eurosport: Herr Olic, erst acht Monate Pause, nun fünf Wochen. Wie fühlen Sie sich?

Ivica Olic: Gut! Die Muskulatur ist noch stärker. Die Kraft ist da. Und ich hoffe auf eine lange verletzungsfreie Serie. Vielleicht habe ich die nächsten zwei, drei Jahre jetzt mal nichts. Zunächst bin ich aber glücklich, dass ich wieder auf den Rasen kann. Ich habe viel Hunger auf Tore (lacht)!

Haben Sie nach Ihrem Tor gegen Hamburg gemerkt, dass etwas Schlimmeres passiert ist?

Olic: Ja, sofort. Es war ein großer Schmerz und ich habe gedacht: Hoffentlich ist nichts am Knochen! Letztlich war es die Sehne, eine komische Verletzung, die selbst die Bayern-Ärzte in 30 Jahren noch nicht gesehen hatten. Aber ich bin froh, dass es jetzt "nur" fünf Wochen gedauert hat. Ich hatte mit einer längeren Pause gerechnet.

Woher nehmen Sie in solchen Momenten Kraft?

Olic: Es war schon extrem bitter. Die ersten Tage sind die schlimmsten, wenn du nichts machen kannst - nicht mal richtig gehen. Aber dann siehst du: Es geht langsam, ich kann das machen, ich kann dies machen. Ich habe mir kleine Ziele gesetzt, von Tag zu Tag und Woche zu Woche. Dann konnte ich die Fortschritte sehen. Und ganz ehrlich: Im Vergleich zu acht Monaten waren die fünf Wochen Pause ein Klacks.

Dennoch: Haben Sie nicht zwischendurch die Lust verloren?

Olic: Ganz ehrlich: Ich bin heute noch unzufriedener, wenn ich nicht spiele als früher. Nach der langen Verletzung war das noch mal wie ein Neuanfang für mich. Ich bin heiß darauf, es erneut allen zu zeigen. Ich merke einfach, dass ich mein Spitzenniveau wieder erreichen kann.

Sie haben viel Zeit mit Robben in der Reha verbracht - jetzt sind Sie fit, er fällt wieder aus...

Olic: Als wir beide verletzt waren, haben wir versucht, uns gegenseitig Mut zu machen. Der erneute Rückschlag ist schlimm für ihn. Ich weiß, wie gerne er wieder mit der Mannschaft trainieren würde. Ich wünsche ihm, dass er schnell wieder fit wird, denn wir alle wissen, was er kann. Er ist einer der besten Spieler der Welt. Wenn er gesund ist, hilft er jeder Mannschaft.

Finden Sie, dass er manchmal zu egoistisch agiert?

Olic: Natürlich will jeder Stürmer Tore machen. Egoismus gehört dazu. Klar, momentan spielen wir auch ohne ihn gut. Doch ich habe zwei Jahre mit ihm zusammen gespielt und weiß, dass er permanent zwei, drei Gegenspieler an sich bindet. Das gibt uns übrigen Spielern mehr Raum und damit auch mehr Möglichkeiten. Das wichtigste ist, dass er jetzt wieder fit wird. Dann kann er allen Kritikern demonstrieren, dass sie falsch liegen.

Hat Jupp Heynckes während Ihrer Reha das Gespräch mit Ihnen gesucht?

Olic: Er hat gleich offen mit mir gesprochen. In der Phase, wo ich noch nicht wusste, wie lange ich ausfalle, hat er mir gesagt: "Ivica, wir brauchen dich und du kannst uns in dieser Saison noch helfen." Das war eine große Geste und Motivation für mich. Und dass der Verein keinen neuen Stürmer geholt hat, werte ich als Vertrauensbeweis. Das Vertrauen will ich nun zurückzahlen.

Würden Sie sagen, dass Heynckes Bayerns beste Neuverpflichtung im Sommer war?

Olic: Alle Neuverpflichtungen sind Verstärkungen. Aber Heynckes hat auf jeden Fall einen sehr großen Anteil daran, dass es so gut läuft. Was mir zuletzt gefehlt hat, war tatsächlich Rotation. Ich finde das System gut. Jetzt spielt Tymoshchuk, van Buyten spielt, Kroos spielt - alle sind zufrieden. Das so hinzubekommen ist nicht einfach, aber unser Trainer hat diese Qualität.

Ihr Vertrag läuft im kommenden Sommer aus, gab es schon Gespräche über Ihre Zukunft?

Olic: Nein, ich kann noch ein paar Jahre auf gutem Niveau kicken. Momentan habe ich keine Argumente, um über einen neuen Vertrag zu reden. Ich hoffe aber, dass ich meine Chance bekommen werde und in drei oder vier Monaten schlauer bin - mit ein paar Toren mehr in der Statistik.

Spielern über 30 bietet Bayern oft nur ein Jahr Vertrag - würden Sie das akzeptieren?

Olic: Wenn ich gesund bin, bin ich sicher, dass ich einen guten Vertrag bekomme. Mein Ziel ist es jetzt, zurückzukommen und zu beweisen, dass ich nichts verlernt habe. Klar würde ich gerne bleiben, ich habe hier viel Spaß, bin sehr glücklich und meine Familie auch. Aber wenn ich wechseln muss, dann ist das eben so. Dafür bin ich Profi. Es nicht schwer, einen neuen Verein zu finden, wenn man vorher beim FC Bayern war.

Welchen Stellenwert besitzt Geld bei Ihnen?

Olic: Das stand bei mir nie an erster Stelle. Klar, es beruhigt, als Profi hast du nur bis ungefähr Mitte 30 Zeit, dich abzusichern. Ich habe bis zu meinem 24. Lebensjahr in Kroatien gespielt und im Monat um die 2000 Euro verdient, in Moskau gab es plötzlich 30.000 Euro und ich habe gedacht, dass ich niemals mehr brauche - und dann habe ich plötzlich doch noch mehr verdient. Aber das kam alles automatisch. Das wichtigste war die Herausforderung, die permanente Steigerung war der Reiz. Das Gehalt hat sich angepasst.

Miller, Rangnick, Breno - psychische Probleme treten in der Bundesliga verstärkt auf. Kann viel Geld das nicht aufwiegen?

Olic: Ich denke nicht. Nehmen wir das Beispiel Breno: Er ist als ganz junger Spieler von Brasilien nach Deutschland gekommen, die Sprache ist schwierig, die Kultur anders. Dann kommen die Verletzungen dazu, der Druck von außen, der Druck, den man sich als Profi selbst macht...

Das bedeutet dann?

Olic: Stress! Und dann merkst du, dass Geld nicht alles ist. Wie oft habe ich gelesen, dass Menschen, die im Lotto gewonnen haben zwei Jahre später mehr Probleme hatten als vorher. Und für Breno war es nicht leicht, jede Woche in die Reha und dann wird das Knie wieder dick. Wir Profis sind vielleicht auf einem anderen Gehaltsniveau, aber wir haben die gleichen Probleme wie im normalen Leben.

Das Interview finden Sie auf Yahoo! Eurosport unter http://de.eurosport.yahoo.com/12102011/73/bundesliga-olic-zeigen.html.

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