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Aufholprozess in den neuen Bundesländern verläuft schneller als erwartet
KfW stellt Studie zur Wirtschaftsentwicklung ostdeutscher Regionen vor

    Frankfurt am Main (ots) - Die KfW hat mit einer umfangreichen Studie ermittelt, welche Faktoren die Wirtschaftsentwicklung in den ostdeutschen Regionen maßgeblich beeinflusst haben. Die Studienergebnisse stellte Hans W. Reich, Vorstandssprecher der KfW, heute in Berlin vor.

    "Ein hervorzuhebendes Ergebnis der KfW-Studie ist, dass sich die Produktivitätslücke zwischen alten und neuen Bundesländern wesentlich schneller reduziert hat als erwartet. Diese Lücke schloss sich mehr als doppelt so schnell als erwartet, nämlich um durchschnittlich 5 Prozent jährlich. Pauschale Ost-West-Konzepte werden den Bedürfnissen der neuen Bundesländer nicht mehr gerecht", so Vorstandssprecher Reich. "Vielmehr müssen regional differenzierte, auf die spezifischen Problemlagen abgestimmte Lösungen gesucht werden. Unsere Studienergebnisse weisen auf eine von Region zu Region sehr unterschiedlichen Beschäftigungsentwicklung hin." Oft zeigen direkt benachbarte ostdeutsche Regionen stark unterschiedliche Beschäftigungstrends: Zum Beispiel Bitterfeld mit einem drastischen Beschäftigungseinbruch von minus 30 Prozent (-13.600 Beschäftigte) zwischen 1993 und 1999, und der an Bitterfeld angrenzende Saalkreis mit einem Plus von 50 Prozent (+8.300 Beschäftigte). Zu den Inhalten der Studie im Einzelnen:

    Ostdeutsche Wirtschaftsentwicklung wird zunehmend durch regionale Wirtschaftspolitik und -förderung gestaltet

    Die Wirtschaftsstruktur in den einzelnen Regionen ist noch immer durch die alten Leitindustrien geprägt: Dresden durch Mikroelektronik, Eisenach durch die Automobilbranche und Rostock durch den Schiffbau - wobei die Regionen mit gewachsenen "Leitsektoren" in expandierenden Märkten wie z. B. Dresden hinsichtlich der Wirtschaftsentwicklung begünstigt sind.

    Jedoch wird die Wirtschaftsentwicklung mehr und mehr durch regionale Wirtschaftspolitik und -förderung beeinflusst. Es gibt einige Regionen, die sich - trotz geerbter unvorteilhafter Wirtschaftssektoren - durch Eigeninitiative besser entwickelt haben als erwartet. Als Beispiel nannte Reich die Region um Wismar, die zwar unter der Schiffbaukrise zu leiden hatte, aber vor allem durch den Aufbau neuer Wirtschaftszweige, z. B. der Holzverarbeitung, eine deutlich günstigere Beschäftigungsentwicklung aufweist als das benachbarte Rostock.

    Wachstumspotential beim verarbeitenden Gewerbe mit überregionalen Absatzmärkten

    In der ersten Hälfte der 90er Jahre sind die Branchen mit regionalen Absatzmärkten, wie zum Beispiel der Einzelhandel, am stärksten gewachsen, überwiegend unterstützt durch Transferleistungen. Danach hat sich das Wachstum vor allem auf Sektoren mit überregionalem Absatz verlagert, insbesondere das verarbeitende Gewerbe (zum Beispiel Chemie, Optik und Automobilindustrie). Dieses hat sich in Ostdeutschland überdurchschnittlich gut entwickelt (2000: 8,3 Prozent Wachstum). Sein Anteil liegt jedoch noch immer nur bei ca. 15 Prozent an der gesamten Wertschöpfung im Osten, wodurch die Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes immer noch deutlich niedriger ist als im Westen (25 Prozent).

    Darüber hinaus weist die KfW-Analyse darauf hin, dass es zwar eine ausreichend große Zahl an Unternehmen in Ostdeutschland gibt, dass jedoch die meisten Unternehmen zu klein sind, um typische Größenvorteile zu nutzen, z.B. Produktion bei sinkenden Durchschnittskosten oder Diversifizierungsmöglichkeiten. "Größere Unternehmen können auch für die Kleinen und Mittleren über Zulieferbeziehungen und andere Ausstrahleffekte eine Lokomotivfunktion übernehmen", sagte Reich.

    Wirksamkeit von marktkonformen Förderinstrumenten bestätigt

    Die KfW-Studie hat auch die Wirkung von wirtschaftspolitischen Förderinstrumenten untersucht, wie die der gemeinsame Investitionsförderung von Bund und Ländern und insbesondere auch der KfW. Für alle Maßnahmen lasse sich eine signifikant positive Wirkung auf die Regionalentwicklung nachweisen.      Seit 1990 hat die KfW in den neuen Bundesländern insgesamt Förderdarlehen über 88 Mrd EUR zugesagt und damit ein Investitionsvolumen von 158 Mrd EUR angestoßen. Allein 43 Mrd EUR hat die KfW für Investitionen in die Wohnungswirtschaft bereitgestellt. Damit wurde unter anderem die Modernisierung und Instandsetzung etwa jeder zweiten Wohnung in den neuen Bundesländern unterstützt. Auch die gewerbliche Wirtschaft hat mit 130.000 Zusagen über rund 37 Mrd EUR und den dadurch induzierten Investitionen von 68 Mrd EUR stark von der KfW-Förderung profitiert.


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