Wenn Unfairness Vorteile bringt, ist das Unternehmen krank
Prof. Höhler plädiert für Vertrauenskultur bei steigendem Marktdruck

    Frankfurt/M. (ots) - Hartnäckig hält sich der Glaube, unfaires
Verhalten bringe Karriere- und Unternehmensvorteile. Doch das
Gegenteil ist wahr. Wo die Vertuschung von Fairness-Verletzungen
Vorteile bringt, ist das Unternehmen krank. Das bestätigt die
renommierte Unternehmens- und Politikberaterin Prof. Dr. Gertrud
Höhler. Sie ist der Auffassung, dass zur Firmenkultur die "Ächtung
von Regelbrüchen" gehört. Dazu müsse klar sein, welche Regeln gelten
sollen und welche nicht. Der Domino-Effekt von Fairness-Verletzungen
entstehe immer dann, wenn sich Menschen im Unternehmen Vorteile davon
versprechen, solche Verletzungen der Spielregeln nicht zu meiden oder
nicht zu ahnden. Doch Leistungsrückgänge, Umsatzrückgänge und
Mitarbeiterverluste im Kreise der Besten sowie Ansehensverluste bei
Kunden seien die unmittelbaren Folgen.
    
    Prof. Höhler betont, nur die Führung könne solchen Domino-Effekten
vorbeugen. Sie bestimme das Klima, sie gebe Vertrauen, damit es die
Mitarbeiter zurück geben können. Wo der Mut, Fairness-Verfehlungen
dem Chef zu melden, nicht belohnt, sondern bestraft wird, "sollte man
schnellstens die Flucht ergreifen", fordert Höhler im Gespräch mit
dem "Fairness-Report". Im Vergleich zwischen Männer und Frauen sieht
sie Vorteile bei den Frauen insofern, als dass diese nicht so in die
männlich gestrickten Machtkämpfe verwickelt seien und früher erkennen
könnten, wann ein Wettkampf entgleise. Ihre "Frühwarnrolle" sollten
Frauen bewusst wahrnehmen, was nach Höhlers Erfahrungen meistens
keine negativen Folgen nach sich ziehe. Dem gegenüber hält Höhler
Frauen potentiell für "Meisterinnen der Intrige", während Männer den
offenen und fairen Kampf vorzögen. Fairness-Verfehlungen bei Männern
würden nicht so leicht zum Prinzip eines ganzen Systems werden, weil
Männer einander bedrängten, damit Konkurrenz fair ausgetragen werde.
Allerdings setze dies auch voraus, dass nicht Personen in den
Wettbewerb geschickt werden oder sich selbst hinein begeben, die von
ihren Voraussetzungen her den Wettbewerbsforderungen nicht
entsprächen. Insofern komme Führungskräften auch die
verantwortungsvolle Aufgabe zu, das Wettbewerbsgeschehen in der
eigenen Firma zu steuern und jedem Interessenten eine gerechte
Startsituation anzubieten.
    
    Angesichts der verschärften und globalen Marktsituation ist es
Mode geworden, mit maximalem Druck möglichst viel aus den
Mitarbeitern heraus zu holen. Die dadurch entstehenden
Misstrauenskulturen brächten aber keinen nachhaltigen Erfolg,
analysiert Höhler. Wer zu schnell zu viel wolle, wähle die falschen
Mittel, um Menschen anzutreiben. Er erreiche das Gegenteil von
Motivation. Festhalten am Gewohnten sei eine Gefährdung für uns alle,
weil es bequem ist und macht. Wer jedoch Innovation wolle, müsse
andere Sicherheitsquellen erschließen. Und das Vertrauen sei die
zuverlässigste Sicherheitsquelle, die auch im stürmischen Wandel
trage.
    
    Wessen Vertrauen jedoch missbraucht wurde oder wer von unfairen
Attacken betroffen wurde, bekennt sich selten als Opfer von
Unfairness und Misstrauen, weil man sich der Unterlegenheit schäme.
Auch wenn die Unterlegenheit durch Vertrauen- und
Fairnessverletzungen auf der vermeintlichen Siegerseite zustande kam.
Dabei seien oft jene von Unfairness betroffen, deren Grundsätze der
Misstrauens- und Attackenkultur überlegen seien. Wer zu rechtschaffen
gewesen sei, um ganz nach vorne zu kommen, ernte eher
Geringschätzung. Daher stellt Prof. Höhler folgende Merksätze für die
Karriere auf:
    
    - Halte Dich nie bei Menschen auf, die Deine Leistung nicht
        schätzen!
    
    - Halte Dich nie bei Menschen auf, die Du selbst nicht
        schätzen kannst. Sie werden auch Dich nicht schätzen!
    
    - Verlasse jedes Spielfeld, wo die Regelverletzung
        Beifall findet. Du wirst dort immer unterliegen!
    
    Das gesamte Interview mit Prof. Höhler ist in der neuen Ausgabe
des "Fairness-Report" erschienen, der von der "Fairness-Stiftung" in
Frankfurt am Main herausgegeben wird. Die Fairness-Stiftung ist eine
gemeinnützige Einrichtung, die sich besonders für Fairnesskompetenz
bei Führungskräften und in Unternehmen engagiert und eine
unentgeltliche Beratung für von unfairen Attacken betroffene
Führungskräfte und Selbständige unterhält. Nähere Informationen und
die kostenlose Bestellmöglichkeit des Fairness-Reports für
Führungskräfte, Selbständige und Journalisten unter
www.fairness-stiftung.de.
    
    (Textkürzungen möglich)
    
ots Originaltext: Fairness-Stfitung
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