heise online

Baden-Württembergischer Justizminister im heise online-Chat/ Biometrie im Kreuzfeuer

    Hannover (ots) - Zum Thema "Biometrie im Kreuzfeuer" veranstaltet
das IT-Profimagazin iX am Freitag, den 23. November 2001, ab 15 Uhr
auf der Heise-Website einen Chat mit Leserbeteiligung. Dabei stehen
der Justizminister von Baden-Württemberg, Prof. Dr. Ulrich Goll, der
Datenschutzexperte Prof. Dr. Klaus Brunnstein von der Universität
Hamburg und iX-Autor Tobis Hager Rede und Antwort. Der Chat-Raum,
erreichbar unter www.heise.de/chat, ist bereits um 14 Uhr geöffnet.
    
    Dass er kommt, ist beschlossene Sache, die Frage ist nur, wann und
wie: Der Personalausweis mit biometrischen Daten als Teil des vom
Bundeskabinett beschlossenen Anti-Terror-Pakets II. Über die Details
soll der Bundestag entscheiden, so der nach heftigen Protesten
verabschiedete Kompromiss.
    
    Sämtliche konkreten Fragen sind dabei zurzeit ungeklärt. Nicht
entschieden ist zum Beispiel, welche biometrischen Merkmale überhaupt
aufgenommen werden sollen - Fingerabdrücke, Iris-Abbilder oder die
Handgeometrie. Für entscheidender halten Datenschützer aber ein
anderes Problem: Sollen diese Daten zentral gespeichert werden, oder
nur auf dem Personalausweis selbst?
    
    Zudem, so die Datenschutzbeauftragten von 13 Bundesländern weiter,
"sieht der Gesetzentwurf ohne Notwendigkeit die Einführung einer
komplexen neuen Technologie vor, ohne offen zu legen, welche
Nutzungen insbesondere von Fingerabdrücken und Gesichtsgeometrie
durch die Polizei oder andere Behörden möglich und geplant sind."
    
    Bundesinnenminister Schily hält dagegen den Fingerabdruck im
Personalausweis für unabdingbar, um die "Identifikation von
Verdächtigen" zu erleichtern, und auch der Bundeskanzler meint, dass
dies "die Qualität und Effizienz in der Bekämpfung des Terrorismus
sehr wohl verbessern wird".
    
    Jedenfalls sind die Vorbehalte der Bürger gegen den Einsatz
biometrischer Verfahren nicht so groß, wie der Protest von
Bürgerrechtlern und Datenschützern glauben machen könnte. In einer
iX-Umfrage zur Biometrie-Akzeptanz hatten 60 Prozent der Befragten
nichts gegen eine Identifikation per Fingerabdruck - allerdings nur,
wenn diese am Arbeitsplatz statt findet, nicht im öffentlichen
Bereich.
    
    Die Gesprächspartner:
    
    Prof. Dr. Ulrich Goll (ugo), seit Juni 1996 Justizminister in
Baden-Württemberg, sieht in der "Aufnahme eines codierten
Fingerabdrucks in wichtige Ausweisunterlagen" keine "existenzielle
Gefährdung" für die Bürgerrechte. "Wir müssen nach den schrecklichen
Terroranschlägen vom 11. September alle Maßnahmen sorgfältig prüfen,
die den Schutz der Bevölkerung vor weiteren Anschlägen erhöhen."
    
    Dem widerspricht der Datenschutzexperte Klaus Brunnstein (klb),
Professor für Anwendungen der Informatik an der Universität Hamburg
und ehemaliger FDP-Bundestagsabgeordneter. Die Pläne der
Bundesregierung und der Länder für die Aufnahme biometrischer Daten
in Personalausweise "treffen die Zielgruppe der Terroristen, die
keine deutschen Ausweispapiere haben, überhaupt nicht", sagt er. "Es
wäre doch beschämend, wenn die Terroristen auch noch erreichen, dass
die deutsche Bevölkerung mit diesem Instrument unter Generalverdacht
gestellt wird, noch dazu wo erhebliche Zweifel an der vom
Bundesverfassungsgericht geforderten Verhältnismäßigkeit der
informationstechnischen Maßnahmen bestehen."
    
    Tobias Hager (tha), Co-Autor der iX-Biometrie-Umfrage, hält
dagegen den Einsatz weiterer Kontrollmechanismen "zur
Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit" für notwendig. "Hierbei
kann die Technologie Biometrie einen wichtigen Beitrag leisten, in
dem der Handlungsraum der Bürger nicht beeinträchtigt wird."
    
    Seit Januar 2001 bietet heise online seinen Usern im 14-täglichen
Rhythmus einstündige Diskussionsrunden zu computerbezogenen Themen.
c't- und iX-Redakteure diskutieren kontrovers mit geladenen Experten.
Mit sehr hohen Teilnehmerzahlen konnte sich die virtuelle
Gesprächsrunde unter www.heise.de/chat innerhalb kürzester Zeit zu
einem der populärsten Event-Chats im IT-Bereich in Deutschland
entwickeln.
    
    Aktuelle Meldungen aus dem Heise-Verlag finden Sie unter
http://www.heise.de/presseinfo
    
    Unter http://www.heise.de/presseinfo/mail.shtml können Sie sich
für den Mail-Service anmelden. Dann erhalten Sie automatisch jede
neue Pressemitteilung aus dem Verlag Heinz Heise per E-Mail.
    
ots Originaltext: heise online
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de

Pressekontakt:
Ihre Ansprechpartnerin
für Rückfragen:
Sylke Wilde
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 05 11/53 52-290
Fax:      05 11/53 52-563
E-Mail: sy@presse.heise.de

Original-Content von: heise online, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: heise online

Das könnte Sie auch interessieren: