ZDB Zentralverband Dt. Baugewerbe

Kein Ende der Rezession am Bau in Sicht
ZDB erwartet 2002 ein Minus von 2 - 3 % bei Bauinvestitionen

Kein Ende der Rezession am Bau in Sicht / ZDB erwartet 2002 ein Minus
von 2 - 3 % bei Bauinvestitionen
ZDB erwartet 2002 ein Minus von 2 - 3 % bei Bauinvestitionen. Die Bauinvestitionen verringerten sich im ersten Halbjahr 2001 real um 6,5% (West: - 4,5 %; Ost: - 12,9 %). Besonders gravierend ist die Abnahme der Bautätigkeit im Wohnungsneubau mit einem Rückgang von 10% im Vergleichszeitraum des Vorjahresvolumens.

    Berlin (ots) -

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    Die Bauinvestitionen verringerten sich im ersten Halbjahr 2001
real um 6,5% (West: - 4,5 %; Ost: - 12,9 %). Besonders gravierend ist
die Abnahme der Bautätigkeit im Wohnungsneubau mit einem Rückgang von
10% im Vergleichszeitraum des Vorjahresvolumens.
    
    Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes
(ZDB), Arndt Frauenrath, sagte anlässlich der Perspektiven des
deutschen Baugewerbes im kommenden Jahr: "Eine Trendwende im
Wohnungsbau ist derzeit nicht zu erwarten. Die Auftragseingänge
liegen sowohl im Westen als auch im Osten im Minus. In den ersten
sieben Monaten dieses Jahres ging das Auftragsvolumen im
Wohnungsneubau für die westdeutschen Betriebe real um 9,6 % zurück
und für die ostdeutschen Betriebe sogar um 34,1 %."
    
    Im Gegensatz zum Wohnungsbau scheint es im gewerblichen Bau wenige
Lichtblicke zu geben, zumindest für den Westen Deutschlands. Die
Baugenehmigungen für neue Nichtwohngebäude liegen im Zeitraum Januar
- Juli 2001 mit 7,7 % im Plus. Auch bei den Auftragseingängen
verzeichnen die westdeutschen Betriebe des Bauhauptgewerbes im
gewerblichen Hochbau ein Plus von 1,7 %. In Ostdeutschland fiel das
Genehmigungsvolumen für neue gewerbliche Hochbauten dagegen insgesamt
um 5,1 % geringer aus. Die Baunachfrage blieb bis Juli mit minus 12,2
% nochmals deutlich hinter dem Vorjahresvolumen zurück.
    
    Der öffentliche Bau büßte im ersten Halbjahr 2001 gegenüber dem
Vorjahreszeitraum fast 7 % seines Volumens ein.
    
    Diese Entwicklung im ersten Halbjahr 2001 hat natürlich erhebliche
Auswirkungen auf den Bauarbeitsmarkt. Im Juli waren nur noch knapp
950.000 Personen beschäftigt, nachdem bereits zu Jahresbeginn die
Beschäftigtenzahl unter die 1-Millionen-Grenze gesunken war. Das sind
mehr als 100.000 Arbeitsplätze.
    
    Die westdeutschen Betriebe haben ihre Mitarbeiterzahl im Vergleich
zum Vorjahreszeitraum um gut 8% reduziert, die ostdeutschen Betriebe
sogar um rund 17%! Damit liegt der Beschäftigungsrückgang im
Bauhauptgewerbe im Jahresdurchschnitt 2001 bei gut 10%.
    
    Aufgrund der anhaltenden Rezession am Bau werden auch im Jahr 2002
zwischen 50.000 und 80.000 Arbeitsplätze abgebaut werden.
ZDB-Präsident Frauenrath erteilte daher auch den Forderungen der IG
BAU nach kräftigen Lohnerhöhungen in der Lohnrunde 2002 eine
deutliche Absage.
    
    Ursache für die Einbrüche im Wohnungsbau sind die politischen
Fehler der Vergangenheit, wie z.B. der eindeutigen Verschlechterung
der steuerlichen Rahmenbedingungen, im Mietwohnungsbau die Senkung
der Anfangssätze der degressiven AfA, die Erhöhung der
Grunderwerbssteuer, die Änderung der Besteuerungsfrist bei Immobilien
und die teilweise ganz ausgeschlossene Anrechenbarkeit von Verlusten,
im eigengenutzten Wohnungsbau die Senkung der Einkommensgrenzen für
die Eigenheimzulage. Frauenrath: "Die Zeche zahlen die
mittelständischen Bauunternehmen und ihre Beschäftigten und nicht
diejenigen, die die Gesetzesänderungen zu verantworten haben."
    
    Insgesamt werden die Bauinvestitionen in diesem Jahr ein Volumen
von 445 bis 450 Mrd. DM erreichen. Gegenüber dem Vorjahr wäre dies
ein Rückgang um etwa 30 Mrd. oder 5 - 6 %. Damit wird statt der
erhofften Abschwächung eine Verstärkung der Rezession am Bau
eintreten.
    
    Frauenrath erklärte zu den Perspektiven für das Jahr 2002: "Auch
im Jahr 2002 ist kein Ende der Rezession in Sicht. Der starke
Rückgang der Investitionstätigkeit am Bau wird sich jedoch
verlangsamen. Wir rechnen mit einem Minus von 2 - 3 %."
    
    Wie bereits in diesem Jahr wird die schlechte Situation im
Wohnungsbau das Volumen der Bauinvestitionen insgesamt drücken.
Während der Rückgang bei den Wohnungsbauinvestitionen mit 4% im
nächsten Jahr anhält, könnte der Wirtschaftsbau mit plus 1 % leicht
zulegen. Dies allerdings nur, wenn sich der allseits erwartete
Konjunkturaufschwung im Jahr 2002 tatsächlich auch einstellt und wenn
keine weitere Verschlechterung der Weltkonjunktur aufgrund der
Auswirkungen des internationalen Terrorismus droht.
    
    "Ob wir für den öffentlichen Bau im kommenden Jahr tatsächlich die
Nulllinie erreichen werden, ist höchst zweifelhaft. Angesichts eines
aktuellen Rückgangs von 16 % beim Gewerbesteueraufkommen wird sich
die Investitionsschwäche der Kommunen weiter verschärfen, mit den
bekannten Konsequenzen für die Bautätigkeit vor Ort."
    
    ZDB-Präsident Frauenrath forderte deshalb dringend einen
Paradigmenwechsel in Politik. "Das Bauen und das Betreiben
öffentlicher Gebäude ist grundsätzlich keine staatliche Aufgabe.
Warum muss ein Kindergarten, eine Schule oder ein Schwimmbad von der
öffentlichen Hand geplant, gebaut und betrieben werden?"
    
    (Das vollständige Statement von ZDB-Präsident Arndt Frauenrath
finden Sie unter www.zdb.deReden.)
    
    
ots Originaltext: ZDB Zentralverband des Deutschen Baugewerbes
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