Reader's Digest Deutschland

Stoiber: "Erzogen nach den Zehn Geboten"
Der Unions-Kanzlerkandidat über seine Erziehung, seinen Weg in die Politik und seine ersten Begegnungen mit Franz Josef Strauß

Stuttgart (ots) - "Ich habe als Junge nie daran gedacht, dass ich mal Politiker werden würde", sagt Edmund Stoiber heute und schickt sich gleichwohl an, als Kanzlerkandidat der Union nach der Krone zu greifen - durchaus in einer Linie mit Franz Josef Strauß. "Er war mein Mentor und Ziehvater. Ich gehe an viele Themen so ran wie er und habe bei ihm gelernt, Dinge anzupacken, nicht lange liegen zu lassen", so Stoiber in einem Interview mit dem Magazin Readers's Digest (Februarausgabe). In dem Gespräch gewährt der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende ungewöhnliche Einblicke in sein Privatleben. So wollte der 60-Jährige aus Oberaudorf (Kreis Rosenheim) erst Sportreporter, dann Pilot, schließlich Professor für Strafrecht werden. Und doch fand er den Weg in die Politik: "Der Grundstein dazu wurde in den Studentenunruhen der 68er-Zeit gelegt." Stoiber macht in dem Interview deutlich, welche große Rolle sein Elternhaus in seiner Jugend gespielt hat. "Ich bin nach den zehn Geboten erzogen worden." Vor allem seine Mutter, eine gebürtige Rheinländerin, war "eine sehr entscheidende Persönlichkeit in meinem Leben. Ich hing ungeheuer an ihr." Sie hat ihm strenge Wertmaßstäbe vorgegeben: "Ordentlich durchs Leben gehen, niemanden übers Ohr hauen, unnötigem Streit aus dem Weg gehen, mit anderen zurechtkommen." Diese Erfahrungen habe er bei der Erziehung seiner drei Kinder versucht umzusetzen - auch wenn sich die gemeinsame Zeit mit der Familie oft auf das tägliche Frühstück oder die Wochenenden beschränkte. "Ich habe mich immer um die Sorgen meiner Kinder gekümmert. Das war für mich eine Grundentscheidung. Deswegen bin ich nicht nach Bonn gegangen. Es gab damals mehrfach Möglichkeiten, in die Bundesregierung einzutreten." Familie ist für den CSU-Chef bis heute einer der wichtigsten Begriffe im täglichen Leben geblieben. Bei seiner Familie tankt er auf. "Meine Frau hält mir den Rücken frei, und wir reden viel miteinander. Das ist geistige Erholung für mich", sagt Stoiber über seine Frau Karin, deren Schweinsbraten sein Lieblingsgericht ist. Obendrein ist der promovierte Jurist, der in München Rechtswissenschaft und Politologie studiert hat, ein leidenschaftlicher Radfahrer und begeisterter Anhänger des FC Bayern München. "Beim Besuch von Sportveranstaltungen kann ich mich sehr gut regenerieren." Übrigens, Chancen auf die Meisterschaft räumt er seinen Bayern in dieser Saison kaum noch ein: "Diesmal wird es ganz, ganz knapp." Leverkusen habe leichte Vorteile. Und sofern es der volle Terminkalender zulässt, widmet er sich den Enkelkindern. An den ersten Überraschungsbesuch des zweijährigen Johannes in der Staatskanzlei in München erinnert sich Stoiber noch: "Er steht in der Tür, geht zwei Schritte, hat den Opa gesehen, aber es war ihm nicht geheuer. Dann ist er leicht weinend sofort wieder zurück. Es bedurfte einer gewissen Überredungskunst, ihn näher heranzubringen." Dass Stoiber entgegen seiner Pläne doch in der Politik gelandet ist, dürfte nicht gar so zufällig gelaufen sein, wie er es beschreibt, denn Ehrgeiz oder zumindest Zielstrebigkeit ist ihm gewiss nicht fremd. Nach dem Studium wurde er für das neue Umweltministerium in Bayern angeworben. "Ich habe als Redenschreiber angefangen." Wenig später folgte der Schritt ins Ministerbüro und 1974 der Sprung zum Landtagskandidaten. Da hatte Stoiber längst den ersten Kontakt mit Franz Josef Strauß gehabt - bei einem Termin in dessen Bundestagswahlkreis: "Das waren Gottesdienste", erinnert sich der heutige Unions-Kanzlerkandidat: "Da bin ich ihm aufgefallen, weil ich Fragen gestellt, ihn korrigiert habe." Die Folge: Strauß behielt Stoiber im Kopf, holte ihn 1978 zu sich und machte ihn zum CSU-Generalsekretär. Eine Zusammenarbeit, in der Stoiber auch seinen Politikstil der Polarisierung gelernt hat: "Zur Politik gehört das Sachargument, aber auch das Plakative." Um sich bei den Menschen verständlich zu machen, "müssen Sie auch zuspitzen, auch mal vergröbern". Von sich und seinen Mitarbeitern fordert der Bayer Leidenschaft: "Politik ist nicht dazu da, um das zu tun, was am schönsten ist. Politik ist das Bohren dicker Bretter". Dass er bei all dem Einsatz gelegentlich unpünktlich ist, wie er zugibt ("Ich will halt manchmal zuviel am Tag machen"), ändert nichts an seinem Ziel: "Du kannst die Menschen nur begeistern, wenn du dich auch selbst begeistern kannst. Und ich kann mich selbst begeistern." Manche glauben, dass der Bayer mit seiner Begeisterungsfähigkeit im kühlen Norden scheitern könnte. Stoiber schreckt das nicht: "Die Menschen sind vielleicht verschieden, aber politisch denken viele gleich. Klare Aussagen kommen überall an." Für nähere Informationen zu diesem Reader's Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Februarausgabe von Reader's Digest ist ab dem 28. Januar 2002 an zentralen Kiosken erhältlich. Pressemitteilung zum Download: http://www.readersdigest.de. Auf Presseservice klicken (Rubrik Magazin Reader's Digest) ots Originaltext: The Reader's Digest Deutschland Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Bei Rückfragen: Reader's Digest Deutschland: Verlag Das Beste GmbH Öffentlichkeitsarbeit: Uwe Horn Augustenstr. 1, D-70178 Stuttgart Tel. +49 (0) 711/6602-521, Fax +49 (0) 711/6602-160, E-Mail: presse@readersdigest.de Original-Content von: Reader's Digest Deutschland, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Meldung


Weitere Meldungen: Reader's Digest Deutschland

Das könnte Sie auch interessieren: