Reader's Digest Deutschland

Deutschland vertraut seinen Ärzten

QUELLE: EMNID

    Stuttgart (ots) -
    - Querverweis: Grafiken sind abrufbar unter:
        http://www.presseportal.de/galerie.htx?type=ogs
    
    Während die Politiker gegen die aktive Sterbehilfe sind, spricht
sich die Bevölkerung dafür aus - Bundesjustizministerin
Däubler-Gmelin für "Sterbebegleitung"
    
    Mehr als zwei Drittel der Sterbehilfegegner in Deutschland würden
ihrem Arzt sogar dann vertrauen, wenn er aktive Sterbehilfe leisten
dürfte. Und: Mehr Deutsche sind für aktive Sterbehilfe als dagegen -
im Gegensatz zu deutschen Politikern. Zu diesen Ergebnissen kommt
eine Emnid-Umfrage im Auftrag von Reader's Digest, über die das
Monatsmagazin in seiner neuesten Ausgabe im August berichtet.
    
    Auf die Frage, ob in Deutschland auch die aktive Sterbehilfe per
Gesetz erlaubt werden sollte, antworteten 53 % der Westdeutschen und
67 % der Ostdeutschen mit Ja. Mit Nein antworteten 38 % der
Westdeutschen und 24 % der Ostdeutschen. Eine weitere Frage ging von
der Annahme aus, aktive Sterbehilfe wäre erlaubt: "Würden Sie
weiterhin zu Ihrem Hausarzt gehen, der diese praktiziert?"
Überraschenderweise antworteten Gegner der Sterbehilfe zu 71 % mit
Ja. Befürworter der Sterbehilfe sprachen sich zu 96 % dafür aus.
    
    Befürworter und Gegner der Sterbehilfe sind sich einig, dass in
erster Linie die Angehörigen über die Beendigung des Lebens
entscheiden sollten. Auf die Frage: "Wem würden Sie die Entscheidung,
Ihr Leben aktiv zu beenden, am ehesten anvertrauen?", sprachen sich
Befürworter der Sterbehilfe zu 68 % für Angehörige aus, zu 54 % für
einen Arzt und nur zu 14 % für ein unabhängiges Gremium. Gegner der
Sterbehilfe setzten ähnliche Schwerpunkte: 55 % sprachen sich für die
Angehörigen aus, 26 % für den Arzt, 10 % für "niemand" und 6 % für
ein unabhängiges Gremium. - Im Auftrag von Reader's Digest hatte das
Meinungsforschungsinstitut Emnid 1005 Menschen in Deutschland
befragt.
    
    Däubler-Gmelin für "Sterbebegleitung"
    
    Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin hat sich für
"Sterbebegleitung" statt aktiver Sterbehilfe ausgesprochen. In einem
Exklusivbeitrag für die August-Ausgabe von Reader's Digest
bezeichnete sie das im April verabschiedete niederländische Gesetz,
das aktive Sterbehilfe legitimiert, als "falsch". "Denn hier
entscheidet ein Mensch über den Tod eines anderen, hier entscheidet
ein Arzt, der zum Heilen und Helfen berufen ist, dass Leben beendet
wird. Und das geht nicht", schreibt Däubler-Gmelin. Die Entscheidung
der Niederländer dürfe jedoch nicht auf eine Stufe mit den
Euthanasie-Verbrechen der Nazis gestellt oder mit ihnen verglichen
werden.
    
    Die Bundesjustizministerin plädiert für "einen neuen Konsens für
mehr Hilfe zum Sterben in Würde": "Wir müssen mehr tun für
Schmerzlinderung und Sterbebegleitung, also für Einrichtungen, die
wir Hospize nennen", schreibt Däubler-Gmelin. Auch Institutionen, die
Schwerstkranken und Sterbenden ermöglichen, zu Hause zu sterben,
sollten gefördert werden. "Ein Gesetz, das die Überschreitung der
Grenze zur aktiven Tötung zulässt, würde so ein Engagement eher
erschweren".
    
    Niederländischer Mediziner tritt Vorurteilen entgegen
    
    Ein führender Vertreter der niederländischen Medizin tritt
unterdessen Vorurteilen über die legitimierte aktive Sterbehilfe in
seinem Heimatland entgegen. "Im Ausland, speziell in den USA, glaubt
man oft, dass niederländische Krankenhausärzte jetzt stets die
Spritze dabei haben, um wahllos Sterbehilfe leisten zu können. Diese
Vorstellung ist so absurd wie jene, dass wir alle in Holzschuhen und
Tracht herumlaufen", schreibt Dr. Ben Crul, Professor für
Schmerztherapie an der katholischen Universität Nimwegen, in Reader's
Digest.
    
    In seinem Exklusiv-Beitrag für die August-Ausgabe des Magazins
spricht sich der renommierte Mediziner für Rechtssicherheit aus: "In
den Niederlanden kann man sich für Euthanasie in einer bestimmten
Situation entscheiden, aber ebenso gut für einen natürlichen Tod".
Nur unter bestimmten, strengen Voraussetzungen wird der Arzt nicht
strafrechtlich für aktive Sterbehilfe bzw. Beihilfe zur Selbsttötung
verantwortlich gemacht. Im Grundsatz sind diese Handlungen in den
Niederlanden nach wie vor verboten. Crul: "Zu mir kommen oft
todkranke Patienten mit starken Schmerzen und äußern gleich beim
ersten Termin ihren Wunsch nach Sterbehilfe. Davon ist meist keine
Rede mehr, wenn sie erst einmal behandelt werden". Trotzdem sei
Sterbehilfe bisweilen unvermeidlich, so Crul: "Wenn der Arzt wirklich
jede medizinische Möglichkeit ausgeschöpft hat und nichts hilft, wenn
wir mit all unserem Beistand das Leiden nicht erträglicher machen
können und wenn der Patient erklärt, dass er mit seinen Kräften am
Ende ist."
    
    Für nähere Informationen und Interviews zu diesem Reader's
Digest-Thema steht Chefredakteur Andreas Scharf zur Verfügung.
    
    Pressemitteilung und Grafiken zum Download:
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    Magazin Reader's Digest)
    
    
ots Originaltext: Reader's Digest Deutschland: Verlag Das Beste GmbH
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