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Roland Berger Studie zum Gesundheitsmarkt: 93 Prozent der Bürger wünschen individuelle Leistungen

München (ots) -

   -    Kunden wollen Differenzierung: 93 Prozent (von 1000 
        Versicherten) würden vom Standardangebot abweichen und 
        Tarife mit zusätzlichen oder eingeschränkten Leistungen
        wählen 
   -    83 Prozent wünschen eine stärkere Förderung von Prävention
   -    Mehrheit will individuelle Mitbestimmung bei der
        Gesundheitsversorgung, Steuerung wird am ehesten bei
        Arzneimitteln akzeptiert 
   -    Gesundheitswesen wandelt sich zu einem Markt durch zunehmende
        Transparenz, Mündigkeit der Bürger und unternehmerisches
        Handeln der Leistungsanbieter 
   -    Privat finanzierter Zweiter Gesundheitsmarkt 
        wächst weiter, 2008 bereits auf geschätzte 64 Milliarden Euro
   -    Der Zweite Gesundheitsmarkt enthält einen hohen Anteil an 
        Präventionsleistungen und trägt dadurch zur finanziellen
        Entlastung des Gesundheitssystems bei 

Die Deutschen wollen ein anderes Gesundheitssystem. 93 Prozent wünschen sich individuelle Leistungen und sind auch bereit, dafür zu zahlen. Krankenversicherungen, Ärzte und Krankenhäuser erweitern ihre Angebote, etwa durch Zusatzleistungen für Selbstzahler oder Präventionsmaßnahmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Roland Berger Strategy Consultants zu Strategien der Anbieter im deutschen Gesundheitssystem und deren Akzeptanz in der Bevölkerung. Befragt wurden 1.000 Erwachsene. Das Ergebnis: Die Bürger haben den Rollenwechsel von Leistungsempfängern hin zu aktiv handelnden Kunden angenommen.

"Die Bürger möchten ein anderes Gesundheitsangebot", sagt Joachim Kartte, leitender Partner für den Bereich Pharma & Healthcare bei Roland Berger Strategy Consultants. "Die Menschen sind auf die neue Welt im Gesundheitswesen schon vorbereitet." Die überwiegende Mehrheit der Befragten ist auch bereit, für individuellere Leistungen tiefer in die Tasche zu greifen.

Wahlfreiheit statt Standardversorgung

Die meisten Krankenversicherten möchten selbst entscheiden, welche Leistungen sie in Anspruch nehmen. "93 Prozent würden vom Standardangebot der Krankenkassen abweichen und sich für einen anderen Tarif entscheiden - wenn sie könnten", so Kartte. Denkbar sind hier mehrstufige Modelle von einer Grundversorgung für geringere Beiträge bis hin zu einer Premium-Versorgung mit individuell zu buchenden, entsprechend teureren Zusatzleistungen. Umgekehrt würden viele auf für sie überflüssige Leistungen verzichten, würde so der Beitrag sinken. Die Versicherten sind jedenfalls bereit, für bessere Leistungen mehr zu bezahlen.

Neuartige Dienstleistungen

Viele können sich auch ganz neue Dienstleistungen wie etwa einen lebenslangen Gesundheitsbegleiter vorstellen. Die Mehrheit wäre auch bereit, die eigene Wohnung zum Gesundheitsstandort ausrüsten zu lassen. Dann könnten medizinische Daten wie Blutdruck oder Gewicht bequem zu Hause gemessen und an eine Kontrollstation übermittelt werden, ohne den Arzt zu besuchen. Dennoch: "Wichtigster Ansprechpartner bleibt der Hausarzt. Er besitzt einen Vertrauensvorsprung, der weit über die medizinische Betreuung hinausgeht", sagt Karsten Neumann, Co-Autor der Studie und Principal im Kompetenzzentrum Pharma & Healthcare bei Roland Berger Strategy Consultants. Viele können sich auch vorstellen, Sportprogramme oder Ernährungsberatung in ihrer Arztpraxis wahrzunehmen. Kaum einer würde auf die freie Arztwahl verzichten. Bei Arzneimitteln nähmen dagegen 60 Prozent eine Beschränkung auf Vertragspartner der Krankenkassen hin, wenn dadurch die Beiträge sänken.

Wunsch nach mehr Prävention und Beratung

Die meisten Versicherten wünschen sich eine stärkere Förderung der Prävention. 83 Prozent meinen, der Gesetzgeber sollte finanzielle Anreize schaffen, um die Gesamtkosten des Gesundheitssystems zu senken. 81 Prozent würden Präventionspakete in Arztpraxen wahrnehmen. 61 Prozent würden die Koppelung von Krankenkassenbeiträgen an gesunde Lebensweise befürworten. 60 Prozent wären bereit, Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheits-Checks aus der eigenen Tasche zu bezahlen. Von ihrer Krankenkasse wünschen sich die meisten, dass sie künftig nicht nur die medizinische Versorgung bezahlt, sondern die Versicherten auch in Gesundheitsfragen berät und geeignete Behandlungsmöglichkeiten findet.

Neue Geschäftsmodelle und Rollen für die Akteure des Gesundheitsmarktes

"Innovative Krankenkassen, Ärzte, Krankenhäuser oder Industrieunternehmen verlassen ihre angestammten Rollen und prägen den Gesundheitsmarkt mit unternehmerischem Denken ", sagt Kartte. "Auch der klassische Kernbereich verwandelt sich durch zunehmende Transparenz, Mündigkeit der Kunden und Unternehmertum der Anbieter in einen Markt." Krankenhäuser, Krankenkassen und Unternehmen erweitern ihre Angebote und sind inzwischen mit vielfältigen Leistungen im Zweiten Gesundheitsmarkt aktiv. So bieten schon heute 65 Prozent der größten Krankenhäuser Zusatzangebote für Selbstzahler an. Reiseveranstalter lassen sich Gesundheitsreisen von Krankenkassen bezuschussen. Diese Bereiche werden in Zukunft noch stärker zusammenwachsen. Statt nur Gesetze zu befolgen, gehen Unternehmer aktiv neue Märkte an. Immer mehr gesetzliche Krankenversicherer erweitern ihre Geschäftsfelder in Richtung der Privaten, indem sie ambulante und stationäre Privattarife anbieten. Andere sind über Vermittlungsplattformen und Club-Angebote in den Zweiten Gesundheitsmarkt eingestiegen oder wandeln sich immer stärker zu Dienstleistern, etwa indem sie Art und Umfang der Versorgung steuern. Dagegen wollen Leistungserbringer künftig mehr versicherungsähnliche Leistungen anbieten. Pharma- und Medizintechnikunternehmen werden sich von Produktlieferanten zu Dienstleistern weiterentwickeln und ihren Vertrieb auf neue Zielgruppen ausrichten. Zwischen ambulantem und stationärem Sektor wird sich ein harter Konkurrenzkampf entwickeln. Das Thema Gesundheit wird für immer neue Branchen der Privatwirtschaft relevant. Im integrierten Gesundheitsmarkt kann jeder Akteur auf jedem Feld tätig werden. Gefragt sind daher immer neue Produktideen.

Wachstum und Kosten

Die Entwicklung im Gesundheitswesen ist von einem doppelten Wachstum geprägt. Positiv zu werten ist das Wachstum im privat finanzierten Zweiten Gesundheitsmarkt. Dieser umfasst im Jahr 2008 bereits schätzungsweise 64 Milliarden Euro. Das Aufkommen neuer Teilmärkte wie etwa für Gesundheitshandys oder gesunde Kosmetik wird neues Marktwachstum schaffen. Die Ausgaben am Gesundheitsmarkt insgesamt stiegen in den letzten Jahren um jeweils 4 Prozent. Die zusätzlichen Ausgaben weisen ein deutlich höheres Wachstum auf. So wuchs der Markt für Bio-Lebensmittel um 13,4 Prozent, der für Fitness und Wellness um 5,8 Prozent jährlich. Aber auch der solidarisch finanzierte Gesundheitsmarkt legt kontinuierlich zu. Dieses Wachstum im Kernbereich des Gesundheitswesens ist jedoch problematisch. Seit den 1970er Jahren wachsen die Ausgaben trotz Gesundheitsreformen überproportional zur volkswirtschaftlichen Entwicklung. Insbesondere durch die demografische Entwicklung und den medizinisch-technischen Fortschritt wird sich dieser Trend weiter fortsetzen. Die Menschen werden älter, und immer weniger Junge müssen die Gesunderhaltung aller finanzieren. Die meisten Experten gehen davon aus, dass sich der allgemeine Beitragssatz zur Krankenversicherung bis zum Jahr 2050 auf 25 bis 30 Prozent erhöhen würde - dem ist durch weitere Effizienzsteigerung, aber vor allem durch Förderung der Prävention zu begegnen. Der Selbstzahlermarkt ist wesentlich durch Präventionsleistungen geprägt und trägt so heute schon zur Finanzierung des Gesundheitssystems bei.

Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist die weltweit führende Strategieberatung europäischen Ursprungs. Mit 35 Büros in 24 Ländern ist das Unternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt aktiv. Rund 2.000 Mitarbeiter haben 2007 einen Honorarumsatz von mehr als 600 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Strategieberatung ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von rund 160 Partnern.

Sie können die Studie bestellen unter: www.rolandberger.com/pressreleases

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