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Rheinische Post: Kommentar
Stunde null? Von Horst Thoren

Düsseldorf (ots) - Der 8. Mai 1945. Ein geschundenes Volk kriecht aus den Bombenkellern und nimmt sein Schicksal in die Hand. So die Legende der"Stunde null", die bis heute die Kriegsgeneration prägt und dabei ausblendet, dass der Tag der Befreiung mitnichten die Verbindung zu Schrecken und Schuld des Dritten Reichs zerstört hat. Der Zweite Weltkrieg endet vor 70 Jahren mit der militärischen, wirtschaftlichen und moralischen Niederlage Deutschlands. Wer überlebt hat, sorgt sich um Brot, Kleider, Dach über dem Kopf. Es mag am Überlebenstrieb gelegen haben, dass den Deutschen die Kraft fehlte, sofort reinen Tisch zu machen. Im Beamtenapparat, in der Wirtschaft, in der Justiz gewinnen Vorbelastete wieder an Einfluss. Die Schuldfrage beschäftigt uns bis heute. Fazit: "Stunde null" steht für die falsche Hoffnung, es könnte so etwas wie einen Schlussstrich geben. Der Begriff dokumentiert aber auch die besondere Lebensleistung einer ganzen Generation, die unser Land nach 1945 als Demokratie aufgebaut hat. Am 8. Mai 1945 hat Deutschland den Krieg verloren, aber die Freiheit gewonnen.

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