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Beim Kopftuch die Kirche im Dorf lassen = Von Martin Bewerunge

Düsseldorf (ots) - Nicht alles, was rechtlich statthaft ist, stellt sich am Ende auch als klug heraus. De jure darf von Arbeitnehmern in kirchlichen Einrichtungen erwartet werden, dass sie mit deren Glaubens- und Moralvorstellungen übereinstimmen, zumindest sich der Neutralität verpflichten. Wem aber de facto damit gedient ist, dass eine muslimische Krankenschwester in einem evangelischen Krankenhaus nur dann Wunden versorgen, Medikamente verabreichen oder Bettpfannen leeren darf, wenn sie zuvor ihr Kopftuch abgelegt hat, lässt sich nicht so einfach beantworten. Kindergärten, Krankenhäuser, Altenheime - die Kirchen engagieren sich in vielen sozialen Bereichen. Ihr wichtiger Einsatz wird nicht dadurch geschmälert, dass die meisten dieser Einrichtungen aus Steuergeldern finanziert werden. Hier stehen christliche Organisationen da, wo sie hingehören: im wirklichen Leben. Und weil Krankenhäuser oder Altenheime eben keine sakralen Räume sind, sondern Orte, an denen es ganz praktisch um den Dienst am Nächsten geht, den auch Menschen muslimischen Glaubens mit Hingabe versehen, stellt sich beim Kopftuchstreit eine einfache Frage: Wäre es nicht klüger, die Kirche manchmal einfach im Dorf zu lassen?

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