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Rheinische Post: Kommentar
Verfehlter "Warnschuss" = Von Gerhard Voogt

Düsseldorf (ots) - Das Konzept des Warnschussarrests hört sich vielversprechend an. Jugendliche Straftäter, denen offenbar die Einsicht fehlt, wohin ein notorisch kriminelles Verhalten führt, werden für ein paar Tage ins Gefängnis eingewiesen. Die Erfahrung, in einer Zelle zu sitzen und den tristen Alltag im Vollzug zu erleben, soll als heilsamer Schock wirken. Die Erfolge des "Knast auf Probe" bleiben allerdings weit hinter den Erwartungen zurück. Auch die Richter in NRW trauen der Maßnahme nicht viel zu. Denn was Erwachsene abschrecken mag, treibt jugendliche Intensivtäter möglicherweise noch tiefer in die Straffälligkeit. Statt kuriert zu werden, erhalten sie bisweilen sogar Tipps von ihren Mitgefangen für ihre kriminelle Karriere. Manche Jugendliche geben sogar damit an, "eingefahren" zu sein. Bei ihnen hat der "Warnschuss" klar das Ziel verfehlt. Eine wirksame Prävention setzt vor allem die Einsicht der Jugendlichen voraus. Die entsteht meist nicht durch Wegschließen, sondern durch intensive pädagogische Betreuung. Das Gefängnis macht nur Wenige zu besseren Menschen.

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