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Rheinische Post: Nötigung Irlands

Düsseldorf (ots) - Kommentar von Martin Kessler

Die Rettung von Pleite-Staaten ist zwiespältig. Wer sich darauf verlassen kann, dass bei einer verschwenderischen Haushaltsführung andere für den Verlust einstehen, achtet nicht auf solide Finanzen. Solche Staaten neigen auch dazu, nach einer Rettung die Zügel schnell wieder schleifen zu lassen. Im Falle Irlands liegt der Sachverhalt anders. Der einstige Musterknabe Europas, der dank einer ökonomischen Aufholjagd ohne Beispiel zu hohem Wohlstand gelangt ist, hat bisher die Krise aus eigener Kraft bekämpft. Deshalb mutet die irische Regierung ihrer Bevölkerung das härteste Anpassungsprogramm aller gefährdeten Länder zu. Sie hat gute Chancen, ihr Ziel zu erreichen - trotz des immensen Drucks durch das marode Bankensystem. Das passt wiederum der Europäischen Kommission und etlichen Euro-Ländern nicht. Die nötigen die Iren geradezu, den Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen. Offenbar wollen sie damit die Tauglichkeit dieses Instruments unter Beweis stellen. Sehr zum Leidwesen der irischen Regierung. Denn die verliert zu Unrecht ihre Reputation bei der Bevölkerung und gibt zugleich ein schlechtes Beispiel für Länder, die ebenfalls ohne Hilfe die Krise bewältigen wollen. Die Folge ist eine neue Zerreißprobe für den Euro.

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