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Rheinische Post: Kommentar: Grüner Höhenflug

Düsseldorf (ots) - Jürgen Trittin - war das nicht der kommunistische Revoluzzer mit dem ungepflegten Schnauzbart, der uns aus purer Bosheit das Dosenpfand eingebrockt hat? Und jetzt soll der Kanzler können? In welchem Land leben wir eigentlich, in dem die Grünen die Chefsessel nicht mehr nur in Rathäusern, sondern in Regierungen erobern können und die Wähler sie auf Augenhöhe mit der SPD sehen? In einem Land, das gestern noch die Grünen in den Orkus jagen wollte. Nach der rot-grünen Erfolgswelle der 80er und 90er Jahre flogen die Grünen aus allen Regierungen. Vorbei. Ende der Vorstellung für das Joschka-Fischer-Eingenerationenprojekt. Stattdessen puschten die Wähler die Liberalen, gaben ihnen unglaubliche 15 Prozent im Bund. Die Stimmung ist umgeschlagen. Mal wieder. Da trifft es sich, dass die Grünen längst zur Partei des Bürgertums geworden sind, dass Trittin den Schnauzbart gegen eine glatt rasierte Oberlippe getauscht hat und kein Streit den Anstrich stimmiger Seriosität trübt. Dafür haben sie die Lust am zermürbenden öffentlichen Konflikt durch intern verbreitete "Sprachregelungen" ersetzt. Natürlich wissen die Grünen, dass das nur eine momentane Stimmung ist. Sie wollen auf dem Teppich bleiben. Aber der fliegt. Trotzdem wird der Absturz kommen. Und schmerzen. Da muss Trittin nur Westerwelle fragen.

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