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Rheinische Post: Offene Wunden

Düsseldorf (ots) - Ein Kommentar von Frank Herrmann:

Dem Pastor einer unbedeutenden Freikirche gelingt es, sich mit der Drohung einer Koran-Verbrennung in den Mittelpunkt des globalen Interesses zu schieben. Schön wäre es, könnte man den Herrn in Florida mit gelassener Nichtachtung ins Leere laufen lassen. Vor Jahresfrist war es noch so, da wollten auch andere Außenseiter Korane in Flammen aufgehen lassen. Kein Mensch nahm davon Notiz. Dass es diesmal anders ist, liegt auch daran, dass billiger Populismus in den USA Hochkonjunktur hat. Die lange Wirtschaftskrise lässt die Nerven blank liegen. In solch unsicheren Zeiten wird das Misstrauen gegen das Fremde geschürt. Auch die USA mit ihrer Einwanderungsgeschichte sind dagegen nicht gefeit. Da finden sich Muslime schnell in der Rolle von Sündenböcken wieder. Da wird ein moderater Imam, der in der Nähe von Ground Zero ein islamisches Gemeindezentrum bauen will, schnell zum Handlanger Osama bin Ladens erklärt. Dass der Protest gegen die "Ground-Zero-Moschee" so scharf ausfällt, hat natürlich auch mit den offenen Wunden des 11. September 2001 zu tun. Die Erinnerung an die Terror-Anschläge ist wach und macht es Demagogen umso leichter, das tolerante Amerika aus dem Scheinwerferlicht zu verdängen.

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