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Rheinische Post: Anstößiger Sozialdemokrat von Martin Kessler

Düsseldorf (ots) - Es ist verständlich, dass viele SPD-Politiker über die Äußerungen von Bundesbankvorstand und Sozialdemokrat Thilo Sarrazin empört sind. Seine Überlegungen, ob muslimische Migranten nützlich sind, erinnern fatal an eine Zeit, in der viele Sozialdemokraten ihr Leben im Widerstand riskierten. Der Hinweis auf vermehrte Missbildungen in vielen Migrantenfamilien macht bewusst oder unbewusst Anleihen bei unsäglichen Theorien von gutem und schlechtem Erbgut. All das ist Sarrazin anzukreiden. Doch die Sozialdemokraten sollten der Versuchung widerstehen, den umstrittenen Finanzpolitiker aus ihren Reihen auszuschließen. Denn die Fragen, die er anschneidet, treiben viele um, gerade auch Wähler der SPD. Wenn die sich von Migranten im Wettbewerb um Arbeitsplätze bedroht oder durch ihnen gewährte überhöhte Sozialleistungen ausgenützt fühlen, werden sie womöglich nach undemokratischen Alternativen suchen. Die SPD ist besser beraten, den Streit mit ihrem umstrittenen Parteimitglied zu suchen. Wir brauchen eine offene Debatte über die gesellschaftlichen Folgen des hohen Anteils an Migranten. Dabei dürfen Tabus verletzt werden, nicht aber die Menschenwürde der muslimischen Mitbürger.

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