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Rheinische Post: Metropolen-Träume Kommentar Von Lothar Schröder

Düsseldorf (ots) - Monatelang haben uns die Kulturhauptstädtler mit ihrer Vision von der Metropole Ruhr traktiert. Gestern lieferten sie uns einen triftigen Beleg dafür mit der 20 000 Tische zählenden Tafel quer durchs Revier, mit über drei Millionen Menschen, die ihre geliebte und verfluchte Autobahn 40 für ein paar Stunden eroberten und sie - was auch werktags regelmäßig geschieht - verstopften. Dieses "Still-Leben" produzierte ungezählte fröhliche Bilder von fröhlichen Menschen. Stimmungsvolle Fotos, die nicht lügen; aber die doch nur Momentaufnahmen eines ziemlich aufwendigen Arrangements sind. Die Frage bleibt, ob gerade diese Massen- und Kunstaktion als riesige soziale Skulptur - über deren Neuauflage im kommenden Jahr bereits nachgedacht wird - wirklich so etwas wie ein emotionaler Gründungstag der neuen Metropole Ruhr sein könnte. Es wäre das erste Kapitel einer neuen Großerzählung, nachdem die alte - nämlich jene von Stahl und Kohle und rauchenden Schloten - nur noch als hartnäckiges und scheinbar unverwüstliches Klischee überlebt. Nichts gegen Träumereien, wer es aber mit der Metropole ernst meint, muss aus den schönen Bilder von gestern Geschichten von morgen entwickeln - bevor sie Nostalgie werden.

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