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Rheinische Post: Israel am Pranger

Düsseldorf (ots) - Noch ist nicht klar, was genau an Bord der "Mavi Marmara" geschah, als israelische Kommandoeinheiten das türkische Schiff im Morgengrauen enterten. Wurden die Soldaten angegriffen, schossen sie in Notwehr? Oder richteten sie mutwillig ein Blutbad an? Der Sachverhalt wird sich klären lassen, aber er spielt eigentlich keine große Rolle mehr. Es spielt auch keine Rolle mehr, dass die "Solidaritätsflotte" nicht in erster Linie humanitäre, sondern propagandistische Ziele verfolgte. Der bewusst provozierte Zusammenstoß auf hoher See ist für Israel ein Desaster und ein Sieg für die islamistische Hamas, die dafür das Leben der Aktivisten an Bord der Schiffe zynisch aufs Spiel gesetzt hat. Am Pranger steht jetzt aber der jüdische Staat - und zwar zu Recht. Denn Israel hat in der Rolle des Stärkeren ebenfalls nichts getan, um die Eskalation zu vermeiden. Schwerer aber wiegt noch, dass Israel auch nichts tut, um die politisch immer brisantere Lage im Nahen Osten und speziell im Gazastreifen zu entspannen. Solange sich Israel moralisch ins Unrecht setzt, indem es die palästinensische Zivilbevölkerung bei seinem Kampf gegen die Hamas als Geisel nimmt, solange werden seine Feinde leichtes Spiel dabei haben, das Land weiter zu isolieren.

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