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Rheinische Post: Die Strafpredigt des Präsidenten

    Düsseldorf (ots) - von Martin Kessler

    Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche. Das Sprichwort trifft recht gut den Kern der vierten Berliner Rede, die der Bundespräsident diesmal im Zeichen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise hielt. Köhler kennt die Akteure an den Märkten, viele sogar persönlich. Wenn er die Finanzelite für das Ausmaß der Krise verantwortlich macht und ihr die Leviten liest, dann trifft es gerade seine Zunft. Denn Köhler war zuvor Präsident des Sparkassenverbandes und des Internationalen Währungsfonds. Umso bemerkenswerter ist seine durchaus tief gehende Abkehr vom System der "schrankenlosen Freiheit". Er hat grundsätzlich recht, wenn er sich davon distanziert. Aber hat er in seinen früheren Funktionen nicht lange Zeit gute Miene zum bösen Spiel gemacht? Diesen Vorwurf muss er sich machen lassen, auch wenn er als IWF-Präsident Regeln für das schrankenlose Spiel des Casino-Kapitalismus eingefordert hat. Die Strafpredigt, die er jetzt als Bundespräsident hielt, hätte auch einem IWF-Lenker gut angestanden. Die Bürger hierzulande erreicht er mit einer solchen Rede gleichwohl. Und wenn er damit zugleich für die soziale Marktwirtschaft wirbt, hat er dem angeschlagenen System sogar einen guten Dienst erwiesen.

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