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Rheinische Post: Hilflos gegen Amokläufer Kommentar VON MATTHIAS BEERMANN

    Düsseldorf (ots) - Der zweite blutige Amoklauf an einer finnischen Schule hat das skandinavische Land in einen Schockzustand versetzt. Die Finnen sind stolz auf ihr überschwänglich gepriesenes Schulsystem, das in den internationalen Pisa-Studien seit Jahren die Spitzenplätze belegt. Gerade für deutsche Bildungspolitiker ist Finnland zum Mekka geworden. Bewundernd verweisen sie auf materiell und personell bestens ausgestattete Lehranstalten, in denen Ganztagsbetreuung ebenso Standard ist wie individuelle Nachhilfe für schwächere Schüler. Aber auch ein so vorbildliches Schulsystem, das ist die bittere Lektion von gestern, kann menschliche Dramen wie den Amoklauf von Kauhajoki nicht verhindern. Gegen die Wahnsinnstaten verzweifelter Menschen gibt es in einer freien Gesellschaft keinen absoluten Schutz. In dieser bedrückenden Erkenntnis, die wir Deutschen seit dem Schul-Massaker von Erfurt 2002 teilen, steckt das Eingeständnis von Hilflosigkeit. Im Fall des finnischen Todesschützen haben alle Frühwarnsysteme versagt: Eltern, Lehrer, ja sogar die Polizei, die den Schüler kurz vor der Tat noch verhört hatte, ihn aber laufen ließ. Dann wurde dem jungen Mann sein Vorhaben auch noch sträflich leicht gemacht durch ein extrem laxes Waffengesetz. Amok-Taten ganz zu verhindern, ist unmöglich. Aber man muss sie so weit wie möglich erschweren.

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