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Rheinische Post: Der olympische Kokon

    Düsseldorf (ots) - von Martin Beils

    Wolfgang Schäuble lobte die gute Luft, als er Olympia seine Aufwartung machte. Das Smog-Problem haben die Chinesen für die Tage der Spiele in den Griff bekommen. Doch wenn demnächst wieder alle Autos ihr Gift ausspucken, wenn die Fabriken wieder anlaufen und auf den Baustellen der schmutzige Alltag beginnt, steigt die Belastung wieder. Die Luft zum Atmen wird dünner. Ein Sinnbild für das nacholympische Peking der Randgruppen, der Rechtlosen, der Regimekritiker. Die Spiele haben einen kleinen Teil der chinesischen Hauptstadt in einen Ausnahmezustand versetzt. Der Sport fand in einem Kokon statt, zwei Wochen sah die Welt eine fast makellose Vorstellung. Die Olympier eröffneten einem totalitären System die Chance, sich so zu präsentieren. China gab mit seiner bombastischen Eröffnungsfeier und seinem sportlichen Erfolg einen Ausweis seiner Größe und seiner Macht. Die Bilder bleiben im Bewusstsein der Welt nachdrücklicher haften als Bevölkerungszahlen und Wirtschaftsdaten, die nichts anderes aussagen. Dieses politische Sportfest hat den Fokus stärker auf die künftige Weltmacht gelenkt. Auf die Faszination, die von ihr ausgeht, und auf die Bedrohung. Die Spiele gehen als die politischsten in die Geschichte ein. Der Ruf nach Menschenrechten wird mit ihnen verbunden bleiben.

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