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Rheinische Post: Deutscher entführt

    Düsseldorf (ots) - Von Godehard Uhlemann

    Die Entführung eines Deutschen, die Afghanistans Präsident Hamid Karsai bestätigt, ist ein Sonderfall. Sie fällt nicht in die Rubrik politischer Erpressungsversuch, mit dem das militärische Engagement der Bundeswehr am Hindukusch durch Taliban-Druck beendet oder zumindest eingeschränkt werden soll. Offensichtlich handelt es sich um eine familiäre Auseinandersetzung, in die der Deutsche geraten ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies aus Unwissenheit oder aus der Überschätzung seiner Person herrührt. Der in Afghanistan tätige frühere deutsche Entwicklungshelfer war zum Islam übergetreten. Das macht ihn aber nicht automatisch immun. Sollte er wirklich den ortsüblichen Sittenkodex verletzt haben, indem er eine Afghanin heiratete, die von ihrem Cousin getrennt aber nicht unbedingt geschieden war, dann hat er die Auseinandersetzung um die Familienehre sich selbst zuzuschreiben. Das bedeutet aber nicht, dass die gewaltsame Verschleppung eines Menschen in Ordnung ist. Insofern muss die Bundesregierung intervenieren. Der Entführte wird in Deutschland per Haftbefehl gesucht. Das macht die Sache heikel. Kommt er frei, stellt sich die Frage seiner Auslieferung. Auf die wird der Rechtsstaat Deutschland pochen müssen.

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