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Weser-Kurier: Über die Zeit nach Daesch schreibt Milan Jaeger:

Bremen (ots) - Daesch ist im Nordirak weitgehend besiegt. Immerhin. Doch nach Jahren der Terrorherrschaft durch die Miliz bleiben den Menschen viele Probleme. Sie haben berechtigte Ängste und Sorgen. Zum Beispiel vor Vergeltungsaktionen. Vor allem Sunniten befürchten, dass sich Jesiden an ihnen rächen könnten. Entsprechende Berichte hat es schon gegeben. In gewisser Hinsicht sind die Probleme jetzt - nach Daesch - noch größer als die Probleme unter Daesch. Der Kampf gegen die Terrortruppe einte Schiiten, Kurden, Jesiden und Christen. Nach dem Kampf drohen alte Wunden zwischen den Gruppen aufzubrechen. Wenn das nicht längst passiert ist. Jetzt muss es darum gehen, neue Strukturen aufzubauen für eine friedliche Gesellschaft. Fraglich, ob das mit allen bisher Beteiligten funktionieren kann. Vor allem die Kurden machen ihr eigenes Ding. Versetzt man sich in deren Lage, mag das sogar nachvollziehbar sein. Sie wittern ihre historische Chance auf Unabhängigkeit. Die Jesiden wiederum drohen in dem Machtkampf leer auszugehen. Die internationale Gemeinschaft darf diejenigen, die unter Daesch am meisten gelitten haben, nicht ihrem eigenen Schicksal überlassen. Natürlich ist die irakische Zentralregierung in der Pflicht. Allerdings müssen die internationalen Hilfsorganisationen auch genügend finanzielle Mittel erhalten, um den Neuaufbau begleiten zu können. Nur wenn Organisationen wie die Welthungerhilfe ihre Arbeit langfristig ausrichten können, steigen die Chancen, dass der Weg in eine bessere Zukunft allen Irakern gelingt. Die Europäer haben daran ein ureigenes Interesse. Wenn die Jesiden für sich im Irak keine Zukunft sehen, werden sie versuchen, diese in Europa zu finden. Zwar erhält allein die Welthungerhilfe für Projekte im Irak 36,5 Millionen Euro jährlich. Von der Bundesregierung kommt ein beträchtlicher Anteil. Angesichts der enormen Herausforderung, vor der die Menschen im Irak stehen, darf diese Summe aber nur der Anfang sein.

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