Alle Storys
Folgen
Keine Story von Weser-Kurier mehr verpassen.

Weser-Kurier

Weser-Kurier: Thomas Spang über die USA und Russland

Bremen (ots)

Keine Ehre, eine Schande

Obwohl außer den vier Teilnehmern und zwei Übersetzern niemand weiß, was hinter verschlossenen Türen genau vor sich ging, gilt eines als sicher. Das erste Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin macht Geschichte. Und das nicht nur, weil es mehr als doppelt so lange dauerte wie ursprünglich geplant. Entweder markiert es den Beginn eines unheiligen Pakts, der den Westen spaltet, die multilaterale Nachkriegsordnung infrage stellt und demokratische Prinzipien unterminiert. Oder das Ende eines kurzen Flirts, der mit der Einmischung Russlands zugunsten Donald Trumps begann, aber nicht für eine nachhaltige Partnerschaft reichte. Vielleicht auch irgendwas dazwischen. Der angestrebte Waffenstillstand in Syrien ist wegen der Beteiligung Jordaniens das einzige Ergebnis, das sich unabhängig bestätigen lässt. Ansonsten liegt die Definitionsgewalt über dem, was bei dem Privatissime passierte, allein bei dem ehemaligen KGB-Chef und seinem langjährigen Außenminister Sergej Lawrow sowie dem Novizen im Weißen Haus und Amerikas Chefdiplomaten Rex Tillerson. Es spricht Bände, dass Trump weder seinen Nationalen Sicherheitsberater H.R. McMaster noch seine Russland-Beraterin Fiona Hill bei dem vertraulichen Gespräch unter acht Augen dabei haben wollte. Beide gelten nämlich als ausgewiesene Kritiker des Kreml. Im Unterschied zu Tillerson, dem Putin persönlich schon den russischen Freundschaftsorden angeheftet hatte. Vor dem Hintergrund der mit "hoher Gewissheit" von den US-Geheimdiensten festgestellten Einmischung Moskaus in die Präsidentschaftswahlen und den strafrechtlichen Ermittlungen wegen möglicher Verschwörung mit den Russen gibt es jeden Grund, das Schlimmste zu befürchten. Den Verlautbarungen über die Begegnung muss jedenfalls mit allergrößter Skepsis begegnet werden. Wladimir Putin steht schon jetzt als großer Gewinner des Treffens fest. Trump beförderte ihn aus dem Rang des Präsidenten einer Regionalmacht zu einem ebenbürtigen Spieler auf der globalen Bühne. Und er betreibt schon jetzt Moskaus Geschäft, das die Europäische Union spalten und die NATO schwächen will. Dieses Treffen in Hamburg war keine Ehre, sondern eher eine Schande für einen US-Präsidenten, der sich damit endgültig als Führer der freien Welt verabschiedete. Der kumpelhafte Schlag auf Putins Schulter lässt befürchten, dass Trump nicht erst jetzt einen neuen Freund gefunden hat.

Pressekontakt:

Weser-Kurier
Zentraldesk
Telefon: +49(0)421 3671 3200
chefredaktion@Weser-Kurier.de

Original-Content von: Weser-Kurier, übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: Weser-Kurier
Weitere Storys: Weser-Kurier
  • 07.07.2017 – 22:35

    Weser-Kurier: Stefan Dammann über Krawalle in Hamburg

    Bremen (ots) - Falsche Taktik Bürgermeister Scholz hat gesagt, viele Hamburger würden vom Gipfel gar nichts merken. Und den Hafengeburtstag habe die Polizei ja auch im Griff. Die Beamten seien super Leute. Jeder einzelne der 20000 Polizisten gibt im Moment alles, und mehr als das. Am Freitag war zu sehen, wie im Schanzenviertel auch Bremer einen auf die Mütze bekommen haben. Da will niemand tauschen. Aber leider hat ...

  • 07.07.2017 – 15:29

    Weser-Kurier: Fotograf wurde ohne Begründung die G20-Akkreditierung entzogen.

    Bremen (ots) - Für den WESER-KURIER berichtete Fotograf Rafael Heygster bislang vor Ort über die Geschehnisse auf dem G20-Gipfel in Hamburg. Die Arbeit ist für den Fotograf jedoch abrupt vorbei. Als er gegen 13 Uhr am Freitag in das Pressezentrum zurückkehren wollte, teilte man ihm mit, dass ihm seine Akkreditierung entzogen worden sei. Auch auf Nachfrage erhielt ...

  • 05.07.2017 – 22:52

    Weser-Kurier: Über Chinas Fußball schreibt Olaf Dorow:

    Bremen (ots) - Werder hat jetzt einen chinesischen Stürmer. Zufällig auch gleich einen neuen Sponsor aus China. Die U 20-Auswahl des Riesenreichs will in der Regionalliga Südwest mitspielen, und in Berlin haben sich am Mittwoch Kanzlerin Angela Merkel, die DFB-Spitze und Staatspräsident Xi Jinping gemeinsam ein Spiel angeschaut. Berliner Kinder gegen chinesische Kinder. Die Gäste sind im Rahmen eines Sommercamps da, ...