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Weser-Kurier: Über Donald Trumps Islam-Rede schreibt Thomas Spang:

Bremen (ots) - Unwürdiges Schauspiel

Zeitpunkt und Ort der Ansprache an die muslimische Welt könnten kaum absurder sein. Überboten wird das nur durch die Person des Redners selbst. Donald Trump, der Mann, der eben noch die Einreise "aller Muslime" unterbinden wollte und die Ansicht vertrat, der Islam hasse Amerika. Plötzlich entdeckt Trump, es sei eigentlich nicht die Religion, sondern ein "Kampf zwischen Gut und Böse".

Dass er bei seinem Appell zu einem gemeinsamen Kampf gegen den Extremismus ausgerechnet auf Saudi-Arabien als wichtigsten Partner setzt, ist mehr als irritierend. Machte sich das erzkonservative Königreich doch nicht nur als globaler Exporteur von Erdöl, sondern einer besonders radikalen Version des Islam, dem Wahabismus, einen Namen.

Überall in der Welt finanziert saudisches Geld radikale Prediger und fundamentalistische Milizen. In der Heimat der heiligen Städte Mekka und Medina gelten ganz ähnliche Sharia-Gesetze wie im Daesch. Trump scheint zudem vergessen zu haben, dass 15 der 19 Terroristen, die Amerika am 11. September angriffen, einen saudischen Pass in der Tasche trugen.

Es gehört schon eine Menge Chuzpe dazu, ausgerechnet hier über den Islam und den gemeinsamen Kampf gegen den Extremismus zu sprechen. Nicht nur die Israelis wundern sich über die Naivität, mit der Trump den Saudis für 350 Milliarden US-Dollar Waffen verkauft.

Statt am Tag nach der Wiederwahl des reform-orientierten Präsidenten in Iran dessen Erfolg zu feiern, führt Trump einen freudigen Säbeltanz mit den Höflingen König Salmans auf und verbeugt sein Haupt vor dem fundamentalistischen Alleinherrscher. Ein unwürdiges Schauspiel, das an Zynismus kaum zu überbieten ist. Für Geld und Ehre scheint er zu fast jeder Schandtat bereit zu sein. Das haben seine Gastgeber verstanden. Sie schafften es, das kindliche Gemüt des daheim unter massivem Druck stehenden Präsidenten mit Gold und Pomp zu beeindrucken. So viel Zuneigung erfuhr Trump in den USA nicht einmal am Tag seiner Amtseinführung.

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