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Weser-Kurier: Über Bremens Chancen mit Borgward schreibt Philipp Jaklin:

Bremen (ots) - Wenn Borgward 55 Jahre nach dem Zusammenbruch des Unternehmens wieder nach Bremen kommt, ist viel Emotion im Spiel. Doch ist die sorgsam inszenierte "Rückkehr einer Legende" mehr als ein Marketing-Gag eines chinesischen Konzerns, der sich von einer exhumierten deutschen Automarke einen leichteren Zugang zum europäischen Markt verspricht? Und steht Bremens Willkommensparty für Borgward nicht in krassem Missverhältnis zur überschaubaren Zahl von bis zu 100 Beschäftigten, die bald aus Asien gelieferte halbfertige Fahrzeuge und Teilmodule zusammensetzen sollen? Zumal noch völlig unklar ist, ob die neuen Modelle hierzulande genug Käufer finden werden.

Was das neue Borgward in Angriff nimmt, ist ein Experiment - und zwar ein hochspannendes. Jahrelang bauten deutsche Hersteller Fertigung in China auf, um auf dem größten Automarkt der Welt mitzumischen. Inzwischen hat die chinesische Autoindustrie so viel Selbstbewusstsein und auch Kapital in der Hinterhand, dass man mit Hilfe von deutscher Markenhistorie und deutschem Know-How einen Vorstoß in Europa wagt. Das hat viel mit dem Wesen des Elektroautos zu tun; seine Konstruktion ist vergleichsweise einfach, was die Schwelle für den Markteintritt senkt, neue Formen der Produktion ermöglicht. Diese Technologie hat das Zeug, die Autoindustrie sehr gründlich auf den Kopf zu stellen.

Bremen hat die Chance, sich in der Elektromobilität zu einem bedeutenden Schauplatz zu entwickeln. Auch der Platzhirsch Daimler wird hier bald Elektroautos bauen, was weitere, spezialisierte Zulieferer in die Region locken könnte. Wissenschaft und Forschung auf höchstem Niveau sind ein weiteres Plus für den Standort. Was an Borgward ab jetzt so interessiert, ist nicht mehr die legendäre Vergangenheit dieses Herstellers an der Weser - sondern seine Zukunft.

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