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Weser-Kurier: Über Bayer und Monsanto schreibt Jan Oppel:

Bremen (ots) - Dieser Deal setzt neue Maßstäbe. Bayer macht mit der 55-Milliarden-Euro-Offerte an den US-amerikanischen Saatguthersteller Monsanto klar, wo der Pharmakonzern das Geschäft der Zukunft wittert: in der Landwirtschaft. Das Unternehmen mit Sitz in Leverkusen will mit der größten Übernahme der Firmengeschichte zum Weltmarktführer für Agrochemiekalien und gentechnisch verändertes Saatgut werden - ein Plan mit Risiken. Riskant ist der Monsanto-Deal, weil Bayer für die Zusammenlegung Schulden machen muss. Den veranschlagten Preis stufen Analysten am oberen Limit des Machbaren ein. Während die Monsanto-Aktie stieg, zeigten sich die Bayer-Anleger vor der geplanten Fusion gar nicht begeistert: Das Papier verlor am Montag zeitweise knapp vier Prozent an Wert. Viele Anleger halten die gebotene Summe offenbar für überzogen. Bayer läuft Gefahr, sich bei dieser Eroberung zu übernehmen. Ähnlich hoch ist das Risiko eines Image-Verlusts. Monsanto hat es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, Gentechnik in Europas Landwirtschaft salonfähig zu machen. Laut Umfragen zählt das Unternehmen aus St. Louis zu den unbeliebtesten Konzernen. Selbst wenn man darauf pfeift: Den Monopolanbieter des Unkrautvernichters Round-up zu schlucken rechnet sich nur dann, wenn der Hauptbestandteil Glyphosat nicht in weiten Teilen der Welt verboten wird. Genau dies droht aber. Kritiker werfen Monsanto immer wieder vor, mit genverändertem Saatgut ganze Ökosysteme zu gefährden. In der Vergangenheit hat die US-Firma bewiesen, dass sie zum Schutz ihrer Saatgut-Patente bereit ist, bis zur letzten Instanz zu klagen. Immer wieder steht der US-Konzern im Verdacht, Landwirte und deren Vertreter unter Druck zu setzen, bis sie sich vertraglich an den Agrar-Riesen binden. Das sind Geschäftspraktiken, die Bayer bei einer Fusion dringend abstellen sollte. Die geplante Zusammenlegung mag ein Mega-Deal für Bayer sein, ein Selbstläufer wird sie aber nicht.

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