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Weser-Kurier: Leitartikel von Philipp Jaklin über die Politik der EZB

Bremen (ots) - Mario Draghi hat lange gezögert, nun schreitet er umso forscher zur Tat: Was der Präsident der Europäischen Zentralbank aufbieten kann im Kampf gegen Wachstumsschwäche und Deflationsgefahr, hat er am Donnerstag gezückt. Ein Leitzins von Null, ein noch höherer Strafzins für Bankeinlagen, eine Ausweitung der Anleihekäufe, extragünstige Langfristkredite für Geldinstitute - so billig war Geld noch nie im Euro-Land. Es ist jetzt sogar komplett umsonst zu haben. Das wird Draghis Beliebtheit bei deutschen Sparern nicht erhöhen. Zumal der EZB-Chef Niedrigstzinsen für eine lange Zeit angekündigt hat. Die Politik des billigen Geldes wird bis auf Weiteres am Angesparten nagen. Viel Kritik musste die Notenbank deswegen schon einstecken. Doch die Draghi-Schelte ist so verbreitet wie wohlfeil. Wieviel Spielraum haben Währunghüter, die gegen das Horrorszenario einer Deflationsspirale ansteuern? Dass hochverschuldete Euro-Staaten von den Anleihekäufen der EZB profitieren, kann nur derjenige verdammen, der Europas Gemeinschäftswährung beerdigen will. Von der im Übrigen vor allem Deutschland profitiert. Trotz Geldschwemme ist der Euro-Raum weit entfernt vom Inflationsziel zwei Prozent - inzwischen seit Jahren. Ist die EZB am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt? Draghi bestreitet das natürlich. So oder so: Die Zentralbank hat ihren Teil erfüllt. Um das Wachstum in Europa anzukurbeln, sind die Regierungen am Zug. Sie müssen jetzt Geld ausgeben und Investitionen in Gang setzen.

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