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Weser-Kurier: Leitartikel von Hendrik Werner über die Lindenstraße

Bremen (ots) - Sehr viel ist geschehen, seit sich Familie Beimer am 8. Dezember 1985 um 18.40 Uhr zur vorweihnachtlichen Hausmusik traf: Damals, als die ARD-Serie "Lindenstraße" anlief, harmonierten Hans und Helga nicht nur beim Flötenspiel. Das galt auch für deren Kinder Marion, Benny und Klausi. 30 Jahre später ist das telegene Idyll irreversibel zerbrochen: Hans und dessen einstige "Taube" gehen seit langer Zeit getrennte Wege. Benny ist tödlich verunglückt (Folge 521), Marion nach Zoff mit ihrer Mutter verzogen (Folge 1237), Klausi nach der zweiten Scheidung und dem x-ten Karriereknick in einer Art Dauerberappelungszustand. Sie läuft und läuft, jene realitätsnahe Reihe, die der TV-Nation den ersten Schwulen-Kuss (1990) und das Fernsehdebüt eines gewissen Til Schweiger bescherte (1990-1992). Obwohl mancher subversive Tabubruch längst durch exhibitionistische Realityformate überboten worden ist, hat sich "Lindenstraße" ihren Charme und ihre Verdienste als soziales Experimentierfeld bewahrt. Auch wenn die Alleinstellungsmerkmale der Seifenoper schwinden, deren Jubiläumsfolge an diesem Sonntag um 18.50 Uhr live gesendet wird: "Lindenstraße" ist - nach dem Aus für "Wetten, dass..?" - neben dem ARD-"Tatort" eines der letzten medialen Lagerfeuer, an denen sich die Deutschen wärmen, über die sie ins Gespräch kommen können. Das ist ein bleibender Lichtblick, weil "Lindenstraße" gesellschaftlich relevante Themen verhandelt.

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