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Weser-Kurier: Kommentar von Max Polonyi zum Wort des Jahres

Bremen (ots) - "Lichtgrenze" - ein Begriff, der Schulterzucken auslöst, weil er im Alltag nicht verwendet wird. Schon der Wortsinn ist Unsinn: "Lichtgrenze" - das ist ein Ort, durch den kein Licht fällt, an dem es einerseits hell und andererseits dunkel ist. Ein schiefes Bild für den Mauerfall. Trotzdem: Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat sich richtig entschieden. Denn die Häufigkeit im Sprachgebrauch ist nicht das entscheidende Kriterium für einen Platz auf dem Worttreppchen. Gekürt wird der Begriff, der für ein wichtiges Ereignis steht - ein Begriff, der das Jahr in Deutschland charakterisiert. Auch die Fußball-Weltmeisterschaft war so ein bedeutendes Ereignis - deshalb ist der Neologismus "Götzseidank" auf Platz drei. Ebenso prägend ist der erste schuldenfreie Haushalt seit 45 Jahren, darum ist die "schwarze Null" rechtmäßiger Zweiter. Aber weder der WM-Titel noch der Haushalt prägen das Jahr der Deutschen so sehr wie das Gedenken an die Wiedervereinigung vor 25 Jahren. Die "Lichtgrenze" hat die Teilung des Landes wieder sichtbar gemacht und gleichzeitig die friedliche Revolution symbolisiert - das bedeutendste und wohl auch schönste Ereignis der jüngeren deutschen Geschichte. Deshalb ist die Wahl einleuchtend.

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