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Weser-Kurier: Kommentar von Ralf Michel zum Gleis-9-Verfahren in Bremen

Bremen (ots) - Was kann es Besseres geben für eine strafrechtliche Ermittlung als Aufzeichnungen von Überwachungskameras, noch dazu aus mehreren Blickwinkeln? Die Staatsanwaltschaft zumindest ist überzeugt, anhand der Bilder über den Vorfall in der Diskothek Gleis 9, ihr Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung im Amt gegen einen Polizeibeamten einstellen zu können. Die Diskussion über Polizeigewalt wird sie damit nicht beenden können. Dafür bieten die Bilder der Überwachungskamera letztlich dann doch zu viel Interpretationsspielraum. Waren die Schläge und Tritte gegen den am Boden liegenden Mann wirklich notwendig oder dokumentieren sie ein völlig überzogenes Vorgehen der Polizei? Die Antwort auf diese Frage liefern nicht die Bilder der Überwachungskameras, sondern die Bilder im Kopf des Betrachters, die Grundeinstellung, die er gegenüber der Polizei hat. Zumindest eines aber bleibt zum Abschluss der staatsanwaltlichen Ermittlungen in Sachen Gleis 9 festzuhalten: Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft, umfassend zu informieren, der Öffentlichkeit sogar Einblick zu gewähren in potenzielles Beweismaterial für ein späteres Gerichtsverfahren, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Das war genau die Art von Transparenz, von der sonst in Bremen nur geredet wird.

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