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Weser-Kurier: Kommentar von Susanne Güsten zum Kampf gegen die IS-Terrormiliz

Bremen (ots) - Die Schlacht um die nordsyrische Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei ist nicht nur ein Beispiel dafür, wie eine hochgerüstete und rücksichtslose Miliz wie der "Islamische Staat" (IS) ihren Einflussbereich im Bürgerkriegsland Syrien ausweiten kann. Die Lage in der Stadt wirft auch ein Schlaglicht auf das Schachspiel der Machtinteressen im Hintergrund - und auf die Schwächen der bisherigen Haltung des Westens. Heftig kritisiert wird unter anderem das Verhalten der Türkei. Obwohl die Regierung in Ankara über die mit 600<ET>000 Mann zweitstärkste Streitmacht der NATO verfügt und zudem zusätzliche Truppen und Panzer an die Grenze bei Kobane verlegt hat, will sie bisher nicht in den Kampf um die Stadt eingreifen. Die türkischen Soldaten sollen lediglich das eigene Territorium verteidigen, falls es angegriffen wird. Ein stärkeres türkisches Engagement gegen den IS macht Ankara von einer Strategie-Änderung der USA abhängig: Erst wenn Washington die Luftangriffe in Syrien auf die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad ausweitet, will Ministerpräsident Davutoglu die türkische Armee in Marsch setzen. Denn für die Türkei ist das Hauptziel in Syrien nicht die Zerschlagung von IS, sondern die Entmachtung Assads. Nicht nur die Türkei verfolgt in Syrien knallhart ihre eigenen Interessen. Die USA schauten drei Jahre lang dem Gemetzel im syrischen Bürgerkrieg zu und starteten die Luftangriffe auf IS erst, als amerikanische Diplomaten und Ölfirmen im nordirakischen Erbil durch den Vormarsch der IS-Terroristen bedroht waren. Auch für die USA stehen die Kurden von Kobane nicht sehr hoch auf der Prioritätenliste. Bei anderen ausländischen Mächten sieht es nicht viel anders aus. Europäische Länder wie Großbritannien, Frankreich, die Niederlande oder Deutschland beteiligen sich zwar mit Luftschlägen und Waffenlieferungen an die nordirakischen Kurden am Kampf gegen IS, sind aber nicht gewillt, das Leben ihrer Soldaten bei einer Bodenoffensive gegen die Dschihadisten etwa in Kobane aufs Spiel zu setzen. Sollte Kobane nun an den IS fallen, werden sich die Türkei, die USA und andere Beteiligte ganz neu Gedanken machen müssen. Die Einnahme der Stadt würde die Machtstellung der Extremisten im Norden Syriens zementieren und ihnen ein mehrere hundert Kilometer langes, zusammenhängendes Einflussgebiet entlang der türkischen Grenze bescheren. Ein Sieg von IS in Kobane würde auch bedeuten, dass die bisher praktizierten Luftangriffe nicht ausreichen, um die Dschihadisten aufzuhalten. Die Attraktivität von IS in islamistischen Kreisen weltweit würde weiter wachsen, die Bedrohung für das NATO-Land Türkei würde steigen - und eine Bekämpfung der Dschihadisten-Miliz noch schwieriger, als sie es bisher schon war.

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